Sufizentrum Braunschweig
  37. Abu Muhammad Madani
 

 



Sheikh Abu Muhammad Madani




Der Segen von Sheikh Abu Muhammed al-Madani erreichte jeden. Er war ein Auserwählter, denn in ihm spiegelte sich die Schönheit des Propheten wieder. Zudem manifestierte sich seine erhabene Wunderkraft zu jeder Zeit an jedem Ort.
 

Sheikh Abu Muhammed al-Madani wurde in einem Bezirk Ghanibs namens Kikunu im Staat Timurhansuro, Daghestan, im Jahre 1252 n.H. /1835 n.Chr. geboren. Fünfzehn Jahre später emigrierte er mit seiner Familie von Daghestan in die Turkei, wo er sich schließlich in dem Dorf Rashadiyya niederließ, welches sich zwischen Bursa und Istanbul befand.

 

Wie schon gesagt war er ein wahrer Erbe der physischen Erscheinung des Propheten . Er war sehr schön. Gemäß den Überlieferungen über das wunderschöne Aussehen des Propheten zeigte sich in ihm eine ähnliche Schönheit. Nach der Tradition des Imam Ghazzali, der Ayyuhal walad, „O mein Sohn,“ geschrieben hatte, verfasste er ein Buch mit dem Titel Ya Waladi, „Mein Sohn“. Das Dorf Kikunu, in dem er aufwuchs, war ein sehr gesegneter und spiritueller Platz. Die Dorfbewohner hielten Gottes Gebote ein und sie folgten alle einem Sheikh. Eines Tages kam Sheikh Ahmed as-Sughuri an jenem Dorf vorbei und sagte Abu Muhammed al-Madanis Geburt und hohe Stufe voraus: „Von hier wird eine erleuchtetes Kind hervortreten. Sein Licht wird Erde und Himmel erfüllen. Er wird ein großer Heiliger werden.“

 

Zu seiner Zeit galt Daghestan als „das Land der Heiligen.“ Als er noch klein war lebten dort die beiden großartigen Sheikhs: Sheikh Muhammed Effendi al-Yaraghi und Sayyid Jamaluddin al-Ghumuqi.

 

Ihm wurde die Kraft der Rechtleitung jener sechs Sufi Orden zuteil: Qadiri, Rifai, Shadhili, Chishti, Khalwati und Naqshbandi. In all diesen Orden ehrte man ihn als einen großartigen Sheikh.

 

Auf dem Thron der Rechtleitung verbreitete er das Wissen der äußeren Form und der inneren Wirklichkeit aus der göttlichen Gegenwart. Er war ein Meister dieses Ordens, ein einzigartiger Wissender und die helfende Hand der Armen.

 

Über seine Wunder

 

Vor seiner Einweihung in den Naqshbandi Orden kamen Hajji Nuri und Hajji Murtaza an seinem Dorf vorbei. Sie berichteten ihm: „Wir werden Ahmed as-Sughuri besuchen um von ihm aufgenommen zu werden. Möchtest du uns dorthin begleiten?“ Er antwortete: „Ja,“ und so wurden alle drei an der Hand des Sheikh Abu Ahmed as-Sughuri in den Orden eingeweiht.

 

Sheikh Abu Ahmed as-Sughuri gab den beiden sein Ratschlag und ließ dann Abu Muhammed al-Madani zu sich rufen, um seinen Treueschwur in den Naqshbandi Orden anzunehmen und ihn mit der Erinnerung Gottes zu versehen. Desgleichen gab er Hajji Murtaza und Hajji Nuri nicht und teilte ihnen mit: „Ich gab das Geheimnis an Abu Muhammed al-Madani. Nehmt das Geheimnis von ihm. Wer meinem Weg folgen will, möge Abu Muhammed al-Madani begleiten.“ In ihren Herzen waren sie empört: „Warum hat Abu Ahmed as-Sughuri Abu Muhammed al-Madani als einen Mittler zwischen uns bestimmt?“

 

Es folgte eine Dürre. Man bat die beiden Abu Muhammed al-Madani zu besuchen und ihn um sein Gebet für Regen zu bitten. Sie sagten sich: „So jetzt können wir sehen ob er ein wahrer Sheikh ist und warum Abu Ahmed as-Sughuri ihn auserwählt hat.“ Auf ihrem Weg liefen sie an einem Haus vorbei und sahen eine wunderschöne Frau darin. Ihre Schönheit hatte sie förmlich in den Bann gezogen, dass sie sie für eine lange Zeit anstarrten. Schließlich kamen sie bei Abu Muhammed an und klopften an die Tür.

 

Abu Muhammed rief: „Wer ist da?“ und sie flüsterten: „Wie kann denn jemand ein Sheikh sein, wenn er noch nicht einmal weiß wer an seiner Tür ist?“ Wieder und wieder klopften sie an die Tür, aber niemand öffnete. Plötzlich hörten sie eine Stimme: „Hajji Murtaza und Hajji Nuri, es ist einfach für jemanden ein Sheikh und Führer zu werden, der nicht weiß, wer an seiner Tür steht. Aber für jemanden der seinen Trieben hinterher rennt und Frauen lüstern betrachtet, ist es ein schweres.“ Er schimpfte: „Ich kann euch nicht in mein Haus lassen.

 

Schnell wollten sie sich wieder davon machen und so vergaßen sie den eigentlichen Grund warum sie gekommen waren. Nach fünf Minuten jedoch kam er hinter ihnen her gerannt, holte sie ein und sagte: „Sobald ihr in eurem Dorf eintrefft, wird es beginnen zu regnen.“ Sie erreichten das Dorf und tatsächlich versammelten sich die Wolken und es goß in Strömen.

 

Sein Streben

 

Die Menschen aus Daghestan können sich noch gut an ihn erinnern, wie er unerschütterlich, physisch und spirituell, die Russen bekämpfte. Sogar die Russen bewunderten seinen Mut und seine spirituellen Wunder. So wurden viele der Ereignisse über ihn von seinen Gegnern festgehalten.

 

Einmal bekämpfte er wieder die Russen. Eine überwältigende Militärskraft überfiel ihn. Er wurde gezwungen in ein niedergelegenes Haus zu fliehen. Niemand wusste, dass er sich dort versteckt hielt. Jedoch hatte eine Frau beobachtet, wie er versucht hatte dort Zuflucht zu finden. Sie meldete es den Russen. Natürlich kamen sie um ihn gefangen zu nehmen. Zu ihrer Verwunderung sahen sie, wie seine Zufluchtstätte aufgrund seiner heiligen Gegenwart begann mit grünem saftigen Gras aufzublühen, obwohl doch alles in der Umgebung wegen der Sommerhitze schon alles ausgetrocknet war. Nachdem man ihn gefangen genommen hatte, wurde die Frau, die ihn verriet krank und verstarb am nächsten Tag. Und es erfüllte sich, was der Allmächtige Herr in einer Heiligen Überlieferung ankündigte: „Wer gegen einer Meiner Heiligen ist, dem erkläre Ich den Krieg.“

 

Man sperrte ihn ein und erlaubte ihm in ihrer Gaststätte zu essen. Dazu weigerte er sich und sagte: „Ihr seid meine Feinde, niemals werde ich von eurem Essen zu mir nehmen.“ Monatelang aß er nichts. Sie waren verwundert wie er überleben konnte. Schließlich kam jemand aus dem tatarischen Gebiet nahe Kazan und verlangte nach ihm: „Isst er nicht von eurem Essen, so werde ich ihn in mein Dorf von Sartar bringen.“ Und sie überließen ihn ihm.

 

Dort war ein Junge aus Kikuntu, der ihn Bukhara studierte und mit einem Mädchen aus Sartar verlobt war. Er studierte das göttliche Gesetz. Viele Jahre war er schon nicht mehr zu dem Mädchen zurückgekehrt, so dass sie sich entschlossen hatte jemand anderen zu heiraten. Die Nachricht erreichte den Jungen, der jetzt völlig niedergeschlagen war. Auf einmal hörte er in der Nacht und am nächsten Tag eine Stimme: „Komm zurück nach Sartar. Komm zurück nach Sartar.“ So beschloss er zurück zu gehen. Die Reise sollte lange dauern. Er lief und lief bis er endlich Sartar nahe Moskau erreicht hatte.

 

Die Menschen dort waren in heller Aufregung. Man teilte ihm mit: „Ein großer Sheikh von Kikunu ist nach Sartar gekommen. Er heilt die Kranken und gibt den Armen zu essen. Seine spirituelle Kraft hat uns so stark angezogen, dass wir sogleich alle seine Schülern geworden sind. Komm mit uns mit, um ihn besuchen.“

 

Die Leute baten den Sheikh, welcher Muhammed al-Madani war: „Hinterlasse uns doch bitte einen Nachfolger, denn sicherlich werden die Russen dich wieder deportieren.“ Als der Junge am Haus des Sheikhs angekommen war, bat er den Jungen mit derselben Stimme, mit der er ihn auch gerufen hatte, zu sich: „O mein Sohn, du hast unsere Botschaft vernommen und du hast unsere Stimme gehört. Komm! Du wirst mein Nachfolger werden und du wirst die Menschen lehren, was sie an Spiritualität und Wissen über die äußere Form bedürfen. Und du wirst deine Verlobte heiraten.“ Der Junge war überaus glücklich. Er nahm den Naqshbandi Weg und die fünf anderen Orden des Sheikhs an. Dann verheiratete Sheikh Abu Muhammed al-Madani ihn mit seiner Verlobten.

 

Dies sollte den Menschen von Sartar ein Geschenk sein. Zudem war dies ein Zeichen, dass Abu Muhammed al-Madani Sartar bald verlassen würde. Am nächsten Tag kamen die Russen und brachten ihn nach Sibirien. Man sperrte ihn in ein Hochsicherheitsgefängnis. Obwohl seine Zelle vollkommen verriegelt war, sahen sie ihn oft im Garten beten, dasitzen und etwas lesen. Verwundert nahmen sie ihn immer fest und verriegelten ihn erneut. Dann nach einigen Stunden war er schon wieder draußen. Also legten sie ihm Fesseln an. Und immer noch erschien er draußen, wie er gemütlich mit jemandem spazieren ging, und jene Person war Khidr.

 

Es war zum Haare raufen, man konnte ihn nicht einsperren. So sandte man ein Hilfeschreiben nach Moskau, woraufhin geantwortet wurde, steckt ihn in die Erde. Und als sie auch das versuchten, konnte er sich trotzdem problemlos befreien. Also ließen sie ihn schließlich frei in Russland umherziehen. Seine Absicht jedoch war, in die Türkei zu gehen.

 

Einmal stieß er auf einen Offizier, dem er voraussagte: „Mein Sohn, wir werden uns in Istanbul wiedertreffen.“ Der konnte es nach einiger Zeit nicht mehr aushalten der russischen Armee zu dienen und desertierte. Zusammen mit seiner Familie floh er in die Türkei und landete in Istanbul. Und dort traf er dann auch wie vorhergesagt auf Abu Muhammed al-Madani.

 

Sheikh Abu Muhammed al-Madani beschloss auf seiner Reise in die Türkei in seiner Heimat im Kaukasus Halt zu machen und seine Familie zu besuchen. Einen Tag vor seiner Ankunft, erschien er seiner Schwester in einem Traum und sagte, er werde morgen kommen. Am nächsten Tag sagte sie zu ihrer Mutter: „O meine Mutter, bereite heute ein wenig mehr zu essen vor, denn mein Bruder ist auf dem Weg.“ Erstaunt und voll Freude erwiderte ihre Mutter: „Was sagst du da? Man weiß ja noch nicht einmal ob er überhaupt noch lebt und du sagst er kommt heute?“ In diesem Moment klopfte es an der Tür und es war Abu Muhammed al-Madani. Während er mit seiner Familie zu Tisch saß, erklärte er ihnen: „Ich muss mich beeilen, denn ein Schiff wartet auf mich, das mich über das Schwarze Meer nach Trabzon bringen wird.“ Sie schmunzelten: „Wir sind im Kaukasus und du redest von Trabzon?“

 

Sheikh Abu Muhammed al-Madani brach zur russischen Küste am schwarzen Meer auf. Als er ankam, erwartete ihn bereits das Schiff in die Türkei. Er bat den Kapitän des Schiffes: „Bring mich auf deinem Schiff in die Türkei.“ Der Kapitän antwortete: „Ich versuche schon seit zwanzig Tagen loszufahren, aber das Schiff scheint nicht richtig zu funktionieren,“ Der Sheikh versicherte: „Jetzt wird es laufen. Nimm hier mein Passagiergeld und bringe mich in die Türkei.“ So verfrachtete er ihn nahe dem Maschinenraum. Als das Schiff in die See gestochen war, begab sich der Kapitän in seine Kabine und legte sich schlafen. In einem Traum sah er wie die Maschine des Schiffes zum Sheikh geworden war und dass dem Schiff Flügel gewachsen waren und begann nach Trabzon zu fliegen. Er erwachte und rannte aufs Deck. Anschließend teilte ihm die Crew mit: „Wir legen nun an den Hafen von Trabzon an.“ Jetzt rannte er zur Kabine des Sheikhs und der fragte ihn: „Sind wir da?“ Er antwortete: „Ja mein Sheikh, ich bin gekommen um von ihnen den Orden eingeweiht zu werden. Die Fahrt dauert normalerweise drei Tage und wir legten die ganze Strecke an einem Tag zurück.“

 

Als der Sheikh das Schiff verlassen hatte, suchte er als erstes einen Kaffeeladen auf. Und dort traf er auf einen alten Freund namens Muhammed at-Tawil, mit dem er in Sibirien gefangen gehalten worden war.“ Muhammed at-Tawil sagte: „Lobpreis dem Herrn, mein Sheikh, Sie sind sicher hier angekommen. Werden Sie mein Gast heute.“ Für ein Jahr sollte er dem Muhammed at-Tawil ein Gast sein. Solange wie Sheikh Muhammed al-Madani ein Gast in seinem Haus war, fand er jeden Morgen zwei Goldstücke unter seinem Kissen. Nach drei Tagen konnte er sein Glück schon nicht mehr aushalten und ging zum Sheikh und fragte ihn nach den Goldstücken. Der sagte: „So lange ich hier bin und du das Geheimnis für dich behältst, wirst du jeden Tag Goldmünzen unter deinem Kissen vorfinden. Erzähle keinem davon und es wird so weitergehen.“

 

Im darauffolgenden Jahr erfuhr Sultan Abdul Hamid II, dass Sheikh Abu Muhammed al-Madani unversehrt in Trabzon angekommen war und er bereitete ihm ein Schiff von Trabzon nach Istanbul vor. Ein Tag nach der Abreise des Sheikhs nach Istanbul, wechselte die Ehefrau des Muhammed at-Tawil gerade die Bettlaken und fand die beiden Goldmünzen. Empört befragte sie ihren Ehemann, woher er dieses Gold hatte. Letztlich musste er dann das Geheimnis preisgeben. Und als es sich umgesprochen hatte, hörte jenes Geldwunder auf.

 

Jener Vorfall hatte sich im Jahre 1308 n.H. /1890 n.Chr. ereignet. Jedoch wurde diese Geschichte niemals zuvor erzählt, bis schließlich der Sohn des Muhammed al-Madani seinen Vaters Freund, Muhammed at-Tawil, nach dessen Tod einmal besucht hatte. Jetzt berichtete Muhammed at-Tawil von diesem Wunder und zeigte ihm die Goldmünzen.

 

Sultan Abd al-Hamid, der große Herrscher des osmanischen Reiches, war auch ein Weggefährte des Naqshbandi Pfades. Es war Abu Muhammed al-Madani, der ihm diesen Weg lehrte. Im Jahre 1314 n.H. /1896 n.Chr. gab der Sultan ihm die Wahl sich ein Stück Land für seine Lehrschule und sein Haus auszusuchen. Er antwortete: „Die Wahl ist nicht unsere, sondern ist eine göttliche Bestimmung.“ Also wartete er bis zum nächsten Tag. Neugierig kam Sultan Abd al-Hamid zu ihm um endlich seine Antwort erfahren zu dürfen. Sheikh Abu Muhammed al-Madani erklärte ihm: „O mein Sohn, Gott zeigte mir einen Ort, von wo der Orden aufblühen wird. Auch werden dort die aufrichtigen Daghestaner Zuflucht finden und dort wird meinem Neffen die Autorität über diesen Orden gewährt werden.“

 

Der Sultan entgegnete: „Was immer Sie bestimmt haben, Wir werden es ausführen und umsetzen.“ Am nächsten Tag informierte Abu Muhammed al-Madani den Sultan: „Yalova. Mein Ort liegt zwischen Yalova und Bursa.“ Sofort stellte der Sultan ihm einen privaten Pferdewagen zur Verfügen. Als er Yalova erreicht hatte, überließ er den Pferden die Wahl. Sie brachten den Sheikh an einen Ort nahe Orhanghazi. Dort im Wald baute er das erste Haus aus Holz. Der Ort wurde nach dem Sultan Rashad Rashadiyya benannt und ist auch unter dem Namen Gunekoy bekannt.

 

Alle Emigranten aus Sibirien und dem Kaukasus zogen in jenes Dorf, wo Sheikh Abu Muhammed al-Madani, Sheikh Sharafuddin und Sheikh Abd Allah gegenwärtig waren. Einmal beschwerten sich die Menschen bei Sheikh Abu Muhammed al-Madani: „Was sollen wir essen? Hier gibt es ja nichts.“ Er stampfte mit seinem Fuße auf den Boden und es ließ sich Eisen und Lehm finden. Zudem fiel zur selben Zeit ein Baum um. Sie verstanden die Zeichen, dass sie vom Ertrag aus Lehm und Eisen und der Forstwirtschaft leben sollten. Es gab 750 Häuser, zwei Moschen und eine Schule für Kinder.

 

Einig Jahre später, während des Balkankrieges, kamen auch die Griechen und Serben in dieses Dorf. Viele Häuser wurden zerstört und viele Menschen mussten fliehen. Nach jenem Ansturm verblieben 250 Häuser. Jedoch war die Moschee nicht im Geringsten beschädigt und alle Gebete konnten weiterhin eingehalten werden.

 

In jenem Dorf ließ sich nichts Schlechtes finden. Kein Trinken, keine Glückspiele, keine Sünden. Jeder war seit seiner Kindheit in der Gotteserinnerung geübt. Es schien ein Hain des Paradieses zu sein. Die Menschen lebten in Harmonie und sie trafen sich jede Nacht zum Gedenken des Herrn. Es war eine himmlische Gemeinde. Das ist der Grund warum der Sheikh dem Sultan Abd al-Hamid gesagt hatte: „Licht wird aus diesem Dorf hervortreten.“

 

Jenes Dorf war durch und durch erfüllt mit Segen. Sie bedürften keiner Versorgung von Außen. Sie hatten Holz zum Kochen, zum Heizen, Tiere zur Arbeit, Milch, Fleisch und üppige Getreidefelder. Jede Tat der Bewohner wurde in Gotteserinnerung verrichtet. Mütter stillten ihre Kinder im Gedenken an Gott. Männer stimmten ihre Arbeit zum Klang der Gotteserinnerung ein. Kurzum, das ganze Dorf war erfüllt durch das Gottesgedenken. So erzogen Sheikh Abu Muhammed al-Madani, Sheikh Sharafudin und später Sheikh Abd Allah ad-Daghestani die Dorfbewohner. Das Dorf galt nunmehr als das „Dorf der Gotteserinnerung.“

 

Das osmanische Reich war im Balkan Krieg verwickelt. Einmal kam Sheikh Abu Muhammed al-Madanis Nachbar, Hasan Muhammed Effendi, zu ihm und sagte: „Ich möchte in den Krieg ziehen und als Märtyrer sterben.“ Er erklärte ihm: „Du brauchst nicht das Dorf zu verlassen, um Märtyrer zu werden. Du wirst hier ein Märtyrer werden.“

 

Schon erschienen die Truppen der Griechen und Serben und nahmen das Dorf unter Beschuss. Bei einem dieser Angriffe wurde auch Hasan Muhammed Efendi niedergeschossen und getötet. Er starb als Märtyrer, so wie er es sich gewünscht hatte und wie es der Sheikh vorausgesagt hatte.

 

Sheikh Abu Muhammeds Kinder waren alle Mädchen. Einmal sagte er zu den Menschen: „Ich sehe drei Jungen.“ Die Menschen waren überrascht, denn seine Ehefrau war schon bereits sehr alt. Kurz danach überfiel sie eine Krankheit und verstarb. So heiratete eine andere Dame, mit der er drei Söhne hatte.

 

Am 27. des Ramadan, in der Nacht der Macht, leitete er das Gedenken an Gott mit dem ganzen Dorf. Er sagte: „Jeder erinnert sich in diesem Moment an Gott. Alle Tiere gedenken mit uns Gottes. Die Würmer, die Vögel, jedes Geschöpf. Jedoch ist ein Tierchen ausgeschlossen, welches von seinem Vater getrennt wurde und traurig ist. Gott ist nicht glücklich. Der Prophet ist nicht glücklich und die Heiligen sind nicht glücklich. Und all das wegen eines Kinderstreiches!“

 

Er sprach zum Besitzer dieses Hauses: „Geh zu deinem Sohn und frage ihn, was er in der Kiste hat.“ Der begab sich zu seinem Sohn und fragte ihn: „Was hast du in der Kiste? Welches Tier hast du gefangen genommen?“ Der Junge war verwundert: „Welche Kiste? Ich hab nur eine kleine Streichholzschachtel, in der ein kleiner Wurm ist.“ Der Vater schimpfte: „Lass sofort diesen Wurm wieder frei.“ Die Menschen erkannten die Lehre und erzogen somit ihre Kinder mit solch einem Verständnis, dass das Schaden eines Geschöpfes, sei es auch noch so klein, Unruhe verursacht und dem Herrn, dem Propheten und den Heiligen missfällt. Aufgrund solcher Tugenden war das Dorf rein und gesegnet.

 

Sheikh Abu Muhammed al-Madani verstarb am 3en des Rabi al-Awwal an einem Sonntag im Jahre 1331 n.H. /1913 n.Chr. Er wurde in Rashadiya (Gunekoy) begraben. Sein Grab wird bis zum heutigen Tage von der daghestanischen Gemeinschaft und vor allem von der Familie des Sheikh Shamils besucht.

Das Geheimnis der fünf Sufi Orden, die er innehatte, überreichte er seinem Neffen Sheikh Sharafuddin ad-Daghestani und vervollständigte somit die Geheimnisse, die schon Sheikh Ahmed as-Sughuri in das Herz von Sheikh Sharafuddin gegossen hatte.



Quelle: http://sufi-zentrum-berlin.de/
 
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