Sufizentrum Braunschweig
  Adab (gutes Benehmen)
 

                                                                 

Das Adab
(gutes Benehmen)


Jeder Muslim, Mann und Frau sollte folgendes jeden Tag rezitieren:

(1) die Shahâda dreimal täglich wiederholen; die beiden Sätze der Shahâda sind ein Ausdruck des Adabs der Seele all dessen, was der Prophet, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, gebrachthat (d. h. die Sharî‘a). Dies ist für jeden muslimischen Mann und jede muslimische Frau verpflichtend.

(2)
Allâh um Vergebung bitten: Astaghfirullâh: 70mal.

(3) Fâtihatu l-Kitâb, mit der Absicht, an den Tajallîs und der göttlichen Gunst teilzuhaben, welche mit ihr herabgesandt wurden, als sie das erste Mal in Mekka geoffenbart wurde – und ohne diese Absicht wird es sein, als seien wir herausgefallen. Unser verehrter Lehrer sagt: Wenn ein Ungläubiger die Fâtiha rezitiert, und sei es nur einmal in seinem Leben, so wird er diese Welt nicht verlassen, ohne wenigstens einen Teil jener göttlichen Gunst erlangt zu haben; denn Allâh macht keinen Unterschied zwischen dem Ungläubigen und dem Gläubigen oder zwischen einem Sünder (fâsiq) und einem Muslim.*) In Wirklichkeit sind sie vor Ihm alle gleich, da sie alle in der Âya inbegriffen sind: (Ich suche Zuflucht bei Allâh:)
 „Und Wir haben die Söhne Adams geehrt.“
Hier erklärt Allâh, der makellos und hocherhaben ist, daß Er alle Nachkommen Adams geehrt hat. Da alle diese Wohltaten und Tajallîs mit der Sûratul-Fâtiha herabgesandt wurden und insbesonders zur Bedeutung dieses Verses gehören, kommt es, daß der Kâfir einenAnteil an dieser göttlichen Gunst hat. Die Tajallîs, welche mit der Sûratul-Fâtiha herabkamen, werden niemals aufhören und immer währen; und sie gehören insbesonderezur Fâtiha. Niemand außer Allâh, der allmächtig und erhaben ist, und Sein Gesandter, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, wissen, wie viele Tajallîs darin sind.
Wer immer Sûratul-Fâtiha mit der Absicht, an diesen Tajallîs teilzuhaben, rezitiert, wird eine hohe Stufe und einen großen Rang erreichen. Und wer immer sie ohne diese Absicht rezitiert, erlangt nur die allgemeinen göttlichen Wohltaten. Diese Sure besitzt unzählige und unbegrenzte Stufen (maqamât) in der Sicht Allâhs, der allmächtig und erhaben ist.

(4)
Bismillâh und die Verse Âmana r-rasûl bis zumnEnde (Sûratu l-Baqara, Sure 2, Verse 285-286). Wer immer diese Âyas auch nur ein einziges Mal rezitiert, wird einen hohen Rang und eine hohe Stellung erlangen; und er wird Sicherheit von al-amân (Allâh) in dieser und der nächsten Welt erhalten. Er wird in der Gegenwart Allâhs, der allmächtig und erhaben ist, in den Kreis der Sicherheit eintreten und die Stufen des rühmenswerten Naqshbandî-Ordens erreichen. Er wird bekommen, was die Propheten und Heiligen nicht bekommen konnten; und er wird die Stufe von Abû Yazîd al-Bistâmî erreichen, dem Imam des Ordens, welcher sagte: „Ich bin die Wahrheit (al-Haqq)“. Dies ist also das großartige Tajallî, welches in diesen Âyas und auch in vielen anderen Âyas verborgen ist. Maulânâ Khâlid al-Baghdâdî, einer der Imame unseres Ordens, erreichte es nach einer langen Zeit; und Allâh machte es außerordentlich für seine Zeit.

(5) Sûratu l-Inshirâh (alam nashrah laka sadrak, Sure 94). Allâh, der allmächtig und erhaben ist, sagt in dieser Sure: (Ich suche Zuflucht bei Allâh:) Inna ma‘a l-‘usri yusran, inna ma‘a l-‘usri yusra. – „Mit der Drangsal kommt die Erleichterung, wahrlich, mit der Drangsal kommt die Erleichterung.“ Jeder Buchstabe und jede Âya hat ein anderes Tajallî, und für jeden Buchstaben gibt es einen Engel von Allâh, der allmächtig und erhaben ist; und keiner der Diener Allâhs, welcher in der Weise der Jinnen und Menschen betet, kann irgendwelche Stufen erreichen, wenn er nicht die Sure Alam nashrah mit der Absicht rezitiert, an diesen Tajallîs teilzuhaben – wegen der göttlichen Herrlichkeiten, welche in ihnen verborgen sind. Also, wer immer eine Âya oder einen Buchstaben des Qur’ân rezitiert, wird die göttliche Gnade erlangen, welche in dieser Âya oder diesem Buchstaben enthalten ist. Und wisset, meine Kinder, meine Brüder, meine Lieben, dass ich zu euch spreche mit dem Wissen der Gewissheit (‘ilmu l-yaqîn); und Allâh, der allmächtig und erhaben ist, führt von Seinen Dienern, wen Er will. Ich erzähle euch nicht nur vom Hörensagen von diesen Stufen, sondern ich habe sie selbst gekostet und bin in sie eingetreten und habe sie erfasst und erfuhr, was selbst in ihren geheimsten Winkeln existiert. So sollt ihr nun wissen, meine Kinder, dass, wann immer ein Ungläubiger oder Heuchler diese Sure oder eine Âya von ihr, vor allem: (Ich suche Zuflucht bei Allâh:) Inna ma‘a l-‘usri yusran, inna ma‘a l-‘usri yusra zitiert, er dann an den göttlichen Wohltaten, Tajallîs und Wirkungen teilhat; denn Allâh unterscheidet nicht zwischen einem Kâfir oder Heuchler und einem Heiligen oder Propheten. Alle Diener sind vor dem Angesicht Allâhs gleich, weil sie alle in dem Vers: la-qad karramnâbanî âdam – „Wir haben die Söhne Adams geehrt“– enthalten sind. Ja, sie sind in diesem einen Ausdruck enthalten. Allâh ist der Führer, und Er führt von Seinen Dienern, wen Er will. Satan wurde diese Botschaft verhüllt, und er ist im Unklaren über diese Tajallîs und großen göttlichen Gnaden, mittels derer Allâh Seine Diener rechtleitet. Und ihr sollt wissen, dass jener, der diese Tugenden zu erwerben wünscht, sich an seine Âdâb und Awrâd halten sollte; dann wird es ihm ein Leichtes sein, wahres und ewiges Leben zu gewinnen. Diese Stufen und göttlichen Gnaden sind eng miteinander verbunden und können nicht voneinander getrennt werden, so dass irgendein Mangel im Adab unweigerlich einen Mangel in den göttlichen Gaben, welche herabgesandt werden, nach sich zieht. Ein Beispiel dafür ist, wenn wir Wudû’ machen wollen, vor dem Wasserhahn stehen und warten, daß Wasser fließt, die große Leitung aber nicht genau mit der kleinen verbunden ist; und so kommt das Wasser nicht aus dem Hahn, sondern verschwindet, bevor es ihn erreicht. Daher dürfen wir nie zulassen, daß sich irgendein Mangel in unser Adab einschleicht, bis wir all die Tajallîs und göttlichen Gnaden erlangt haben.

(6) Ikhlas sharîf (Sure 112): 11 mal. Und wer immer diese Sure rezitiert, muß die Tajallîs der zwei Namen der Majestät (asmâ’u l-jalâla), al-Ahad (der Einzige) und as-samad (der Ewige), erlangen; selbst wenn ein Ungläubiger sie rezitiert, muss er seinen Anteil an diesen Tajallîs bekommen. Selbst wenn einer von Allâhs Dienern Ihn nach der Art der Menschen und Jinnen anbetet, wird er Seine göttliche Gnade nicht vollständig erlangen, wenn er nicht al-Ikhlâs rezitiert.

(7) Die beiden Suren der Zufluchtsuche: je einmal.
Qul a‘ûdhu bi-rabbi l-falaq (Sure 113).
Qul a‘ûdhu bi-rabbi n-nâs (Sure 114, die letzte Sure des Qur’ân).
Der Scheich sagt: Die Wirklichkeit des Geheimnisses von Allâhs größtem Namen (ismu llâhil-a‘zam) ist mit diesen beiden Suren verbunden, ebenso die Vollkommenheit (kamâl). Da sie das Ende des Qur’ân ausmachen, sind sie mit der Vollendung der göttlichen Gnaden und Tajallîs verbunden. Mittels dieses Adabs wurden die Meister des erhabenen Naqshbandî-Ordens zu Meeren des Wissens und der Erkenntnis. O meine Brüder! Meine Kinder! Ihr seid am Anfang angelangt: daß jeder Vers und jede Sure des Qur’ân alkarîm seine eigenen besonderen göttlichen Gnaden und Tajallîs hat, von denen nicht eines dem anderen gleicht. Und aus diesem Grunde hat der Gesandte Allâhs, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, gesagt: „Ich habe meiner Umma drei Dinge hinterlassen: den Tod, welcher sie fürchten lässt, wahre Träume, welche ihnen frohe Kunde bringen, und den Qur’ân, welcher sich an sie wendet.“ Durch den Qur’ân wird Allâh der Allmächtige die Tore der göttlichen Gnade in der Endzeit öffnen. Ähnliches wurde nicht zur Zeit des heiligen Propheten noch zur Zeit der Gefährten noch zur Zeit der Khalifen noch zur Zeit der Heiligen bis zur Zeit von MaulânâKhâlid al-Baghdâdî herabgesandt. Allâh, der allmächtig und erhaben ist, hat für uns diese Stufen (maqamât) eröffnet, so dass wir zu den Zufriedenen in dieser und der nächsten Welt gehören können. Dem können wir noch hinzufügen, dass wir jede Nacht die Tajallîs der Nacht der Macht erhalten – durch das Tor, welches Allâh den Menschen dieser Zeit geöffnet hat. Diese Umma ist die letzte aller Ummas und die Umma jener, welche in die Fußstapfen des Gesandten Allâhs, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, treten. Daher, wenn irgend jemand von uns demütig zu Allâh, der makellos und erhaben ist, betet und Du‘â’ macht, daß Er ihn in jeder Handlung erfolgreich machen möge, die er um der Umma Muhammads willen ausführen will, so wird Allâh, der makellos und erhaben ist, dieses Du‘â’ gewiss sofort annehmen.

(8) Lâ ilâha illâ llâh: zehnmal, und nach dem letzten Mal fügen wir hinzu: Muhammadu r-rasûl Allâh (sallallâhu ‘alaihi wa sallam!).

(9) Allâhumma salli ‘alâ Muhammadin wa ‘alâ âli Muhammadin wa sallim: 10 mal.
Ilâ sharafi n-nabiyyi (salla llâhu ‘alayhi wa sallam) wa âlihi wa sashabihi wa ilâ arwâhi ikhwânihi mina l-anbiyâ’i wa l-mursalîn wa khudamâ’i sharâ’i’ihim wa ilâ arwâi l-a’immati l-arba‘ah
(Wir erwähnen die vier Imame des islamischen Gesetzes, da es einer unserer Grundsätze ist, zuerst unseren Fuß in die Sharî‘a und dann in die Tarîqa zu setzen.)

wa ilâ arwâhi mashâykhinâ fî t-tarîqati n-naqshbandiyyati l-‘aliyyah: khâssatan ilâ rûhi imâmi t-tarîqati wa ghawthi l-khaliyqati khawâja Bahâ’id-dîni Naqshband Muhammadini l-uwaysiyyi l-Bukhârî wa ha¡rati ustâdhinâ wa ustâdhi ustâdhinâ
l-Fâtiha ...

(Nun wird die Fâtiha mit der Absicht rezitiert, an den göttlichen Gnaden und Tajallîs teilzuhaben, die herabgesandt wurden, als sie das zweite Mal in Medina geoffenbart wurde; und niemand weiß genau, wie viele Gnaden und besondere Tajallîs in ihr verborgen sind, außer Allâh, der makellos und erhaben ist, und Sein Prophet Muhammad, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil.)
Allâhu Allâhu Allâhu Haqq: (ganz und gar gegenwärtig bei Allâh zu sein).
Allâhu Allâhu Allâhu Haqq.
Allâhu Allâhu Allâhu Haqq.

Dann machst du ein Du‘â’, wie du magst. Dies sind die Grundlagen des Adabs, die als notwendig erachtet werden; und wenn ein Murîd sich nicht daran gebunden fühlt, wird sein Führer beschämt sein, ein solch mangelhaftes Geschenk von seinem Murîden anzunehmen. Dieses Adab muß einmal innerhalb von 24 Stundenausgeführt werden. Alles, was der Prophet, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, überbrachte, gründet sich auf diesem Adab; und es ist der Weg, durch den der Diener den Schlüssel erlangt, um sehr nahe bei Allâh, derallmächtig und erhaben ist, zu sein. Durch diese Mittel gelangten auch die Propheten, die verkündenden Propheten und Heiligen zu ihrem Schöpfer, dessen Zustand erhaben und herrlich ist. Und auch wir gelangen auf diese Weise zu Allâh, der makellos und herrlich ist, und erreichen all die Stufen der erhabenen Tarîqah. Die Meister des erhabenen Naqshbandî-Ordens sagen, daß derjenige, der den Anspruch erhebt, mit einem der vierzig Orden oder mit dem erhabenen Naqshbandî-Orden verbunden zu sein, und dennoch nichtwenigstens einmal in seinem Leben in Khalwa war, sich schämen sollte, sich selbst als den Menschen des Pfades zugehörig zu betrachten. Aber Maulânâ, unser größter Führer, sagt: Wer immer von den Leuten der Endzeit wünscht, einen hohen Rang und erhabene Stufen zu erreichen, und bekommen möchte, was ein Murîd normalerweise nur mittelsKhalwa und geistiger Übungen bekommt, muss beständig dieses Adab und auch die Wazâ’if ausüben. Mit diesem Adab haben wir die Grundlage für die höheren Stufengeschaffen und sind jetzt bereit, auf diesem Fundament aufzubauen. Zuallererst werden wir mit den Wazâ’if für die Menschen der Entschlossenheit aus der Umma Muhammads, Allâh segne ihn und gebe ihm Heil, beginnen. Der Murîd sollte wissen, daß er, wenn sein Vorhaben, eine erhabene Stufe und einen hohen Grad zu erwerben, infolgemangelnder Bemühungen scheitert, daß er dann nicht von dieser Welt getrennt werden wird; die Scheichs werden diese Stufe für ihn erreichbar machen und sie ihm während der Zeit der letzten sieben Atemzüge seines Todeskampfes enthüllen. Ihr sollt auch wissen, daß nichts, das Harâm ist, zwischen Adab und andere geistige Übungen treten darf. Wenn jemand dieses Adab ausübt und dann eine verbotene Handlung begeht, ist er wie ein Mensch, welcher das Fundament seines Hauses neben einen Abhang legt, so daß sein Haus zusammenbricht und den Abhang hinabstürzt. Daher sollten wir immer unserer Handlungen gewahr sein und genau erwägen, ob sie Halâl oder Harâm sind: „Wird Allâh, der allmächtig und erhaben ist, ob unserer Taten zornig sein oder nicht?“ Und wir müssen über unsere Handlungen, welche wir auszuführen im Begriffe sind, so sehr nachdenken, bis wir schließlich nichts mehr tun, das Harâm ist und unser Fundament schwächen könnte. Wenn wir sorgfältig unsere Taten bedenken, wird sich das Hadith:
„Tafakkuru sâ‘atin khairun min ‘ibâdati sab‘îna sanat (
in)“, das heißt, „Eine Stunde des Nachdenkens ist besser als siebzig Jahre der Anbetung“, in uns offenbaren. Folgendes Beispiel erklärt, was wir meinen: Wenn einem Schneider ein Stück Stoff zum Nähen gegeben wird, muss er so lange daran arbeiten, bis es am Abendfertig ist. Auf dieselbe Weise müssen wir unser Adab am Morgen beginnen und mit den Wazâ’if und anderen guten Taten bis zum Abend fortfahren. Wir sollten diese Handlungen auf die richtige Weise ausführen, das heißt, ohne dass etwas, das Harâm ist, dazwischenkommt. Auf dieser Grundlage hat Allâh, der allmächtig und erhaben ist, den Tag in drei Teile eingeteilt: acht Stunden für die Anbetung, acht Stunden für den Erwerb des Lebensunterhaltes und acht Stunden zum Schlafen. Wer dies nicht annimmt und dieser Einteilung der Energien nicht folgt, wird das Hadith bestätigen, welches sagt:
„Der, der regellos ist, wird für immer regellos im Feuer sein.“
Wer seinem eigenen Willen folgt und seiner eigenen Urteilskraft vertraut, kann nicht vorankommen; und wer erhabene Stufen und Ebenen erlangen will, welche vergangene Generationen durch Zurückgezogenheit und andere geistige Übungen erwarben, muss sich an Allâh, der allmächtig und erhaben ist, während des gesamten Tages erinnern.

 
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