Sufizentrum Braunschweig
  Ahmad ibn Harb
 

Ahmad ibn Harb

 

Ahmad ibn Harb al-Nisaburi war ein bekannter Asket aus Nisabur, ein verlässlicher Überlieferer und Kämpfer in der Schlacht. Er besuchte Bagdad in der Zeit Ahmad Ibn Hanbals und lehrte dort; er starb 234 (849) im Alter von 85 Jahren.

 

Ahmad ibn Harb und der Zoroastrier

 

Ahmad ibn Harb hatte einen Zoroastrier namens Bahram als Nach­barn, der seinen Partner auf Geschäftsreise geschickt hatte. Dieser war unterwegs von Räubern überfallen und ausgeraubt worden.

Auf“, rief Ahmad seine Schüler, als er diese Nachricht erfahren hatte, „solches ist unserem Nachbarn widerfahren. Wir wollen zu ihm gehen und ihm unser Bedauern aussprechen. Auch wenn er ein Zoroastrier ist, so ist er doch unser Nachbar.“

Als sie zu dessen Haus kamen, zündete Bahram gerade sein zoroas­trisches Feuer an. Bahram der sie kommen sah, dachte sie wären vielleicht hungrig und machte sich daran den Tisch zu decken, obwohl gerade nicht viel zu essen zu Hause war.

Mache dir keine Umstände“, sagte Ahmad, „wir sind gekommen um dir unser Mitgefühl auszudrücken. Ich habe gehört, die sind deine Waren gestohlen worden.“

Ja, leider, das ist richtig.“, sagte Bahram, „doch ich habe drei Gründe, Gott dankbar zu sein. Erstens, weil sie sie von mir und nicht jemand anders gestohlen haben. Zweitens, dass sie nur die Hälfte genommen haben. Drittens, dass ich, selbst wenn sie mir meine weltlichen Güter genommen haben, ich immer noch meine Religion besitze; denn die Welt kommt und geht.“

Diese Worte gefielen dem Ahmad.

Schreibt dies auf“, verlangte er von seinen Schülern, „der Duft des Islams ist aus diesen Worten zu verspüren.“ Dann wandte er sich an Bahram und fügte hinzu, „Warum betest du dieses Feuer an?“

Damit es mich nicht verbrennt“, antwortete Bahram.

Zweitens, wenn ich ihm heute viel Brennstoff gebe, es mich dafür morgen an Gott weiterreicht.“

Du hast einen großen Fehler begangen“, meinte Ahmad. „Feuer ist schwach, unwissend und ohne Glauben. Aller Glauben den du ihn es legst ist grundlos. Wenn ein kleines Kind Wasser darauf gießt, geht es aus. Ein so schwaches Ding – wie kann es dich vor den Mächtigen - Gott bringen? Darüber hinaus zeige ich dir, dass es unwissend ist, denn ob du Mist oder Weihrauch hineinwirfst, ohne Unterschied wird es beides verbrennen. Es erkennt den Wert des einen nicht und nicht den Wert des anderen. Und außerdem, seit siebzig Jahre betest du nun dieses Feuer an und ich keine Sekunde. Lass uns beide unsere Hände in das Feuer tun und du wirst sehen, dass es deine und meine Hand verbrennen wird. Es wird nicht gerecht zu dir sein.“

Diese Worte trafen den Zoroastrier ins Herz.

Ich will dir vier Fragen stellen“, sagte er. „Wenn du sie alle vier beant­wortest, werde ich deinen Glauben annehmen. Sag: Warum erschuf Gott den Menschen? Und als er ihn erschaffen hatte, warum sorgte er für ihn? Warum lässt Er ihn sterben? Und warum lässt er ihn wieder auferstehen, nachdem Er ihn sterben hat lassen?“

Er erschuf ich, damit er Sein Diener sei“, antwortete Ahmad.

Er sorgte für ihn, damit er Ihn als den Allversorger kennen lernt. Er lässt ihn sterben, damit er Ihn als den über allen Starken kennen lernt und Er erweckt ihn, damit er Ihn als den Allmächtigen und All­wissenden kennen lernt.“

Sobald Ahmad ausgesprochen hatte, sprach Bahram das Glaubens­bekenntnis.

Ich bezeuge es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist Gottes Gesandter“.

Darauf stieß Ahmad einen lauten Schrei aus und fiel in Ohnmacht.

Warum wurdest du ohnmächtig?“ fragten ihn später seine Schüler?

Als er seine Finger zum Bekenntnis hob“, erwiderte Ahmad, „ sprach eine laute Stimme im Innersten meines Herzens „Ahmad, Bahmram war siebzig Jahre lang ein Zoroastrier und letztendlich wurde er ein Gläubiger. Du hast siebzig Jahre als Gläubiger verbracht, was hast du nun anzubieten?“

 

Ahmad ibn Harb und der Kaufmann

 

In Nishapur lebten zwei Männer. Einer mit Namen Ahmad ibn Harb und der andere hieß Ahmad der Kaufmann. Ahmad ibn Harb war ein Mann der so mit dem Gedenken Gottes beschäftigt war, dass, wenn ihm der Barbier den Schnurrbart trimmen wollte, er seine Lippen nicht ruhig hielt.

Halt wenigstens ruhig, während ich dir den Bart kürze“, sagte der Barbier.

Kümmere dich um deine Angelegenheiten“, antwortete Ahmad.

Und jedes Mal wenn der Barbier Ahmads Schnurrbart kürzte, bekamen auch seine Lippen etwas ab.

Einmal bekam er einen Brief, den er zwar beantworten wollte aber keine Zeit dafür fand. Da rief der Muezzin zum Gebet. Und gerade als er sagte: „Es ist Zeit ..“ sagte Ahmad zu einem Gefährten. „Beantworte meines Freundes Brief. Sag ihm, er soll mir nicht mehr schreiben, denn ich finde die Zeit nicht, ihm zu antworten. Schreib, „Wir sind mit Gott beschäftigt – Pfiatdi:“

Was Ahmad den Kaufmann anging, so war der so hingebungsvoll mit weltlichen Dingen beschäftigt, dass er eines Tages seine Dienerin nach Essen schickte. Sie bereitete ihm ein Mahlzeit und brachte sie ihm, doch er ließ sich in seiner Buchhaltung bis spät in die Nacht hinein nicht unterbrechen, sodass er schlussendlich darüber einschlief. Als er nächsten Morgen aufwachte schimpfte er seine Magd.

Du hast mir kein Essen gemacht.“

Doch, aber du warst so sehr mit deinen Rechnungen beschäftigt.“

Also bereitete sie die Mahlzeit nochmals zu und setzte sie ihm vor. Und wieder fand er keine Zeit zu essen. Auch nach einem dritten Mal war er eingeschlafen, bevor er zu essen gekommen war. So nahm die Magd etwas davon und strich es ihm auf die Lippen. Davon erwachte Ahmad der Kaufmann.

Bringe mir zum abwischen“, rief er, weil er dachte er hätte schon gegessen.

 

Ahmad ibn Harb und sein Sohn

 

Ahmad ibn Harb hatte einen kleinen Sohn, den er darin unterrichtete in Gott zu vertrauen.

Wann immer du etwas willst, sei es Essen oder sonst etwas“, sagte er ihm, „geh zu diesem Fenster und sage, „Herr, Gott, ich brauche Brot.“

Jedes Mal wenn das Kind sich dort hinbegab, so hatten es die Eltern arrangiert, fand es dort vor, wonach es verlangt hatte. Eines Tages, als die Eltern ausgegangen waren, hatte es großen Hunger. Wie gewöhn­lich kam es zum Fenster und sprach.

Herr, Gott, ich brauche Brot.“

Sofort ward ihm sein Essen von oben herab gesandt.

Die Eltern kehrten nach Hause zurück und fanden ihn zufrieden essen.

Wo hast du das herbekommen?“ fragten sie.

Von dem, der mir jeden Tag gibt“, war seine Antwort.

So erkannten sie, dass er gefestigt auf diesem Weg war.

Geschichten aus dem

Tadhkirat al-Auliya’

(Erinnerung an die Heiligen)

von Farid ud-Din ATTAR

Übersetzt von M.M. Hanel

 

 
  Gesamt: 663889 Besucher