Sufizentrum Braunschweig
  Einen Propheten wie Moses
 




“Einen Propheten wie Moses...”   
  Prophet Muhammed in der Torah 

In den vorausgegangenen Artikeln habe ich die wichtigsten Vorrausagen des letzten Propheten im Evangelium, sowie in den Psalmen Davids behandelt. Konsequenterweise soll nun an dieser Stelle die Ankündigung des letzten Propheten, Achmad (Qur´an), Periklytos (Evangelium), Adon (Psalm110), weißen Bullen (Henochbuch), Menschensohn (Danielbuch)... in der Torah beleuchtet werden. [1]  Bevor wir uns den “5 Büchern Mose” zuwenden, sei noch ein wichtiges Prinzip vorausgeschickt. Muslime sind vom hl. Qur´an her gewohnt, alle Aspekte der Religion in einem einzigen Buch vereint zu finden. Dies ist im hl. Qur´an als dem letzten Testament der Fall, wie auch in Muhammed s.a.w.s. als dem letzten Gesandten und lebenden Qur´an die Eigenschaften aller Gesandten auf wunderbare Weise vereint waren. Bei den drei namentlich im Qur´an erwähnten früheren Büchern finden wir dagegen eine höchst aufschlussreiche Spezialisierung.  - Die Taurat, (Torah hebr. Gesetz/Weisung), enthält, wie der Name bereits sagt, eine Scharia und erzählt darüber hinaus die Heilsgeschichte bis zum Tod des Propheten Moses (s).  - Das Zabur, (die Psalmen Davids (s)) enthält dagegen keinerlei gesetzliche Bestimmungen, stattdessen aber Bitt- und Dankgebete für die unterschiedlichsten Gelegenheiten. - Endlich befasst sich das Injil, (Evangelium), worunter ausschließlich die Worte Jesu (s) zu verstehen sind, mit Mystik, (arab. Tassawwuf), und mit moralischen Forderungen, die der Heranbildung von Heiligen (arab. Awliya) dienen.  Dabei zeigt sich, dass die Torah die Stufe von Unterwerfung (arab. Islam), der Psalter die Stufe von Glaube (arab. Iman) und das Injil schließlich die Stufe von Vollkommenheit (arab. Ihsan) verkörpert, wie sie ja im berühmten Gabrielhadith [2] ausdrücklich als die drei Bestandteile von Religion genannt werden. Weil aber Ihsan, Iman und Islam nicht voneinander getrennt verwirklicht werden können, gehören auch diese drei Bücher untrennbar zusammen und sie beziehen sich denn auch häufig aufeinander. Deshalb gilt wie im hl. Qur´an, dass eine Stelle die andere erklärt, - allerdings nur sofern man alle drei Bücher mit einbezieht. Insbesondere sind Prophezeiungen, die sich künftige Propheten wie Muhammed s.a.w.s. beziehen, in den drei offenbarten Büchern in engstem Zusammenhang zu sehen, und erklären sich gegenseitig.      Unter den Prophezeiungen der Torah nimmt das “Orakel” von Dtn 18,15 ff eine deutliche Sonderstellung ein. Gegen Ende seiner irdischen Mission kündigte Mose vor dem versammelten Volk Israel einen Propheten an, der “wie er selbst” sein würde. Dieser Prophet wurde zur Zeit Jesu (s) sowohl von den Juden als auch von den Samaritanern erwartet.  Im Christentum wie es sich bald unter den nichtjüdischen Völkern heranbildete wurde es bald üblich Dtn. 18,15 auf Jesus (s) hin zu deuten. Diese Auffassung gilt unter Christen bis heute und wird durch einige Stellen der Apostelgeschichte augenscheinlich gestützt. Ein Blick auf die frühesten Schichten der Tradition zeigt jedoch, dass dies nicht die Auffassung der Jünger Jesu selbst war. Wir werden im Verlaufe dieses Artikels klären, wie und warum es zu der falschen Zuordnung von Dtn 18,15 zu Jesus (s) kam.  Betrachten wir zunächst Dtn. 18,15f nach dem Text der Masoreten, einer Gruppe von jüdischen Schriftgelehrten, die diese bis heute offizielle Fassung der Torah vor ca. 1100 Jahren in Nordpalästina erarbeitet haben. Dieser masoretische Text liegt allen heutigen jüdischen und christlichen Bibeln zugrunde. M-text Dtn 18,15f:  15 Einen Propheten wie mich [d.h. Moses] wird YHVH dein Gott aus deiner Mitte unter deinen Brüdern erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. 16 YHVH wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, YHVH deinen Gott gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme YHVHs meines Gottes nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe. 17 Damals sagte YHVH zu mir [Moses]: “ Was sie von dir verlangen ist recht. 18 Einen Propheten wie dich will ICH ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage. 19 Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört, die der Prophet in meinem Namen verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft. Die Christen der ersten Jahrhunderte bevorzugten hingegen eine andere Torahversion. Deren griechische Übersetzung, die ins 3. vorchristliche jahrhundert zurückreicht bezeichnet man als Septuaginta (Kürzel: LXX). Durch die Entdeckung von Fragmenten ihres hebräischen Grundtextes in Qumran hat die Septuaginta, die jahrhundertelang neben dem masoretischen Text ein eher stiefmütterliches Dasein fristete, in letzter Zeit eine enorme Aufwertung erfahren. Es besteht sogar Grund zu dem  Verdacht, dass der masoretische Text, der heute praktisch allen jüdischen und christlichen Bibeln zugrunde liegt, das Resultat einer antichristlichen Überarbeitung durch die Pharisäer im 2. Jhdt. n.Chr. darstellt. [3] Hier nun deshalb die Propheten-Stelle nach der Septuaginta (Codex Vaticanus aus dem 4. Jhdt. n. Chr): Dtn18,15f:   „ YHVH dein Gott wird dir einen Propheten erwecken, [*] von unter deinen Brüdern, wie mich. Ihn sollt ihr hören... Und YHVH sagte zu mir: “ Sie haben wahr gesprochen in allem, was sie zu dir sagten. Ich werde einen Propheten erwecken von ihren Brüdern, wie dich...  * [aus deiner Mitte] ist im masoretischen Text sekundär dazugekommen. um die an sich klare Aussage zu verschleiern, dass der Prophet aus den Brüdern des Volkes Israel und nicht aus Israel selber stammt. [4]. Es sei daran erinnert, dass die Endredaktion des M-textes mehr als 200 Jahre nach der Verkündigung des Islam erfolgte. Man wollte wohl dem Volk durch diese Interpolation versichern, dass der Prophet nicht aus Ismael stammen könne.  Andererseits fehlt in der Septuaginta, die von nicäanischen Christen überarbeitet wurde, der ganze 16. Vers des M-textes: YHVH wird ihn [den Propheten] als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, YHVH deinen Gott gebeten hast. Der Satz wurde von Christen gestrichen, die Dtn18,15 fälschlicherweise auf Jesus bezogen. Sie konnten von Juden in diesem Punkt leicht widerlegt werden, weil Jesus offensichtlich nicht die Erfüllung all dessen gebracht hatte, worum die Kinder Israel am Berg Horeb (Sinai) gebeten hatten.    1. Der Prophet wie Moses ist nicht Jesus  Aus den Schriftbeweisen, die im neuen Testament und den Schriften der frühchristlichen Gelehrten die Natur Jesu (s) enthüllen sollen, kann man lernen, dass Jesus (s) bei den meisten Urchristen als Erfüllung der Prophezeiung vom davidischen Messias galt. Dieser heißt in Gen 49,10 Schiloh [8] und in Jesaja 7,14 ´Immanuel. Das Jesajabuch spricht hier in der Septuagintaversion auch von einer Jungfrau die schwanger werden wird. Wir finden diese Ankündigung der Vaterlosigkeit Jesu im hl. Qur´an bestätigt. Betrachten wir die ersten 2. Jahrhunderte, so fällt auf, dass unsere Torahstelle Dtn 18,15 im Gegensatz zum „Schiloh“ aus Gen 49,6 im Urchristentum nur sehr selten auf Messias Jesus (s) bezogen wurde. Wenn man sich klar macht, welche Bedeutung dem Propheten wie Mose im damaligen Judentum und Samaritanertum beigemessen wurde, so muss dieser fehlende Zusammenhang zwischen Jesus (s) und dem Propheten als signifikant erscheinen. Seine Jünger erwarteten offenbar weiterhin den Propheten wie Mose, während der davidische Messias im Gestalt Jesu für sie bereits erschienen war. Jedoch finden auch die seltenen Ausnahmen, in denen Jesus (s) dennoch als Prophet wie Mose bezeichnet wurde, eine höchst plausible Erklärung, sobald man eine Religionsgemeinschaft einbezieht, deren einstige Bedeutung lange Zeit massiv unterschätzt wurde: Ich spreche von den Sabuäern oder Samaritanern.     Samaritanische Christen:  Die Samaritaner, die im hl. Qur´an einschließlich der aus ihnen hervorgegangenen Sekten als “as-Sabiyun” angesprochen werden, bildeten im Palästina zur Zeit Jesu eine vom gewöhnlichen Judentum streng getrennte Religionsgemeinschaft mit Hunderttausenden von Gläubigen. Für die Samaritaner gilt bis heute allein die Torah als heilige Schrift und sie deuten das rätselhafte Wort Schiloh [6] aus Gen 49,6 nicht im Sinne einer Messiasgestalt. Daher war und blieb für sie der “Prophet wie Mose”, den sie bis Heute als Tayyeb erwarten, der einzige Hoffnungsträger für die Zukunft. Die Erscheinung und Wundertaten von Messias Jesus (s) bewirkten, laut Johannesevangelium, den Übertritt zahlreicher Samaritaner zum Glauben an ihn. Weil aber viele von ihnen ihre tiefverwurzelten Überzeugungen nicht einfach abschütteln konnten, bildete sich ein samaritanisches Christentum, das von den Häresiologen der frühen Kirche als Ebionäertum bezeichnet wurde. Wegen ihrer samaritanischen Herkunft akzeptierten auch die Ebionäer vom alten Testament nur die Torah als heilige Schrift und weder Königtum noch Haus David hatten für sie eine Bedeutung. Da sie als Ex-Samaritaner die Schiloh-prophezeiung in Gen 49,10 nicht auf einen Messias bezogen, blieb für die Ebionäer der Prophet von Dtn 18,15f einziger Hoffnungsträger. Und just in diesem Umstand liegt der Grund, dass Jesus für bekehrte Samaritaner zum endzeitlichen Propheten erklärt werden musste, nämlich weil es dazu im samaritanischen Kontext keine Alternative gab. Die Identifizierung von Jesus (s) mit dem Propheten wird somit zum Erkennungsmerkmal der messianischen Samaritaner. [9] Aus dieser Gruppe entstand gegen Ende des 1. - Anfang des 2. Jhdts die Sekte der Ebionäer, oder der samaritanischen Christen, wie man sie genauer bezeichnen könnte.   Jüdisch/samaritanisch: Die Sekte von Qumran Bereits die vorchristlichen Qumranschriften haben den Propheten wie Mose von anderen Messiasgestalten unterschieden, insbesondere vom Schiloh, dem Messias aus Judah, wie ihn der Jakobsegen in Genesis 49,6 ankündigte. Die Qumrangemeinde ist aus vielerlei Gründen nicht den “Essenern” des Judentums, sondern der jüdisch/samaritanischen Mischsekte der Dosithäer zuzuordnen, wie bereits der große Erforscher des Nazaräertums Prof. Daniélou richtig erkannte. Eine Sammlung von Messiasstellen, die für die frühe Qumrangemeinde von Bedeutung waren, liegt in 4Q Testimonia vor. Es handelt sich um Zitate aus der Torah und aus einem Buch der Psalmen Josuas d.h. ausschließlich aus Schriften, die auch von Samaritanern rezipiert wurden. [5] Der Prophet wie Mose sowie der “Stern von Juda“ aus der Bileamprophezeiung wurden deutlich unterschieden. - Aus dem jüngeren Sektendokument 1QS IX, 11 geht hervor, dass die Qumrandosithäer, wie alle jüdischen und samaritanischen Sekten jener Zeit den Propheten wie Mose erwarteten. Sie unterschieden ihn jedoch deutlich, sowohl vom königlichen Messias aus David, als auch von dem priesterlichen Messias aus Aaron, welche sie beide mit anderen Schriftstellen in Verbindung brachten. - Dieselbe Erwartung von 3 getrennten Messiasgestalten ist aber durch das Johannesevangelium auch für das orthodoxe Judentum bezeugt. Dort wird im ersten Kapitel geschildert, wie die Pharisäer eine Delegation zu Johannes dem Täufer schicken. Joh.1,19-21 (nach Einheitsübersetzung):  Als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, mit der Frage: Wer bist du? bekannte er und leugnete nicht und bekannte: Ich bin nicht der Messias. Sie fragten ihn ”Wer bist du dann?” [Bist du Elia? Und er sagte: Ich bin es nicht] [6]*.Bist du der Prophet? Er antwortete Nein.... *[  ] fehlt in einigen der frühesten Textversionen, denn es steht im Widerspruch zu Jesu Aussage, dass Johannes sehr wohl “Elia” gewesen ist.  Weil nun Qumran mit seinen Bezügen zur samaritanischen Religion völlig getrennt vom pharisäischen Judentum zu sehen ist, kommt man zu folgendem Schluß:  Die Erwartung von 2-3 unterschiedlichen Messiasgestalten stellte ein ziemlich verbreitetes Muster in den Religionsgemeinschaften des Volkes Israel zur Zeit Jesu dar.   Der bedeutende Würzburger Theologe R. Schnackenburg widmete bereits in den 50er Jahren eine Untersuchung der “Erwartung des Propheten nach dem neuen Testament und den Qumrantexten”. Dabei fiel ihm auf,  1. “dass in den 3 synoptischen Evangelien keine einzige Stelle begegnet, in der Jesus als der Prophet schlechthin mit dem bestimmten Artikel prädiziert wird.”  2. Folgt nach Schnackenburg aus der oben genannten Stelle Joh1,19-21 eindeutig, dass Messias und Prophet wie Mose, zwei verschiedene Persönlichkeiten bezeichnen:  “Hier lässt sich nicht zweifeln, dass zwischen Messias, Elias und dem Propheten unterschieden, mit der letzten Frage nach dem Propheten aber genau so nach einem bestimmten messianischen Amt gefragt wird, wie bei der zweiten Frage nach Elia.“ 3. Zeigt Schnackenburg, dass Moses und Jesus im Johannesevangelium eher als gegensätzlich, denn als ähnliche Persönlichkeiten gesehen werden.   Fazit: Jesus (s), der davidische Messias und der endzeitliche Prophet wie Mose sind zwei klar unterscheidbare Gottesgesandte, mit unterschiedlichen Aufgaben. Der Prophet wie Mose wurde auch nach der Erfüllung der „Elias“-prophezeiung durch Johannes (s) und der Messiasprophezeiungen durch Jesus (s) von den Jüngern Jesu weiterhin erwartet.  2. Der „Prophet wie Moses“ stammt nicht aus Israel.   Moses spricht zum versammelten Volk Israel: “YHVH dein Gott wird dir [O Israel] einen Propheten erwecken, von unter deinen Brüdern, wie mich.  (LXX-version). Der Prophet sollte also nicht in Israel, sondern unter den Brudervölkern Israels erscheinen, dies sind namentlich all diejenigen Völker welche von Söhnen Abrahams abstammen. Neben den Söhnen von Abrahams Nebenfrau Ketura, die geschichtlich nie besonders hervortraten, kommen insbesondere Jakobs Bruder Esau [7], sowie Ismael der Sohn von Abraham und Hagar in Frage.   Dennoch aus Israel ?     Aber könnte nicht doch ein Prophet aus Israel gemeint sein? Dem steht folgender Satz aus Dtn 34,10 entgegen: ”Nie wieder ist in Israel ein Prophet wie Mose aufgetreten.” Dieser Satz bedeutet wegen der Zeitlosigkeit der Offenbarung und weil er in keiner Weise eingeschränkt wird, dass bis zum heutigen Tag kein solcher Prophet mehr in Israel aufgetreten ist. Er meint ferner, dass in Israel auch für alle Zukunft kein Prophet wie Mose mehr auftreten wird. Falls der angekündigte Prophet aus Israel wäre, dann würden sich die Torah in einen wichtigen Punkt selbst widersprechen. Wenn der Prophet aber nicht aus Israel stammt, wie ja in Dtn18,15 selbst bereits ausgesagt, dann befinden sich Dtn 34,10 und Dtn 18,15 in perfekter Harmonie.   Prophet aus Esau ?    Auch die Nachkommen von Isaaks Sohn Esau, (arab. ´Iz), sind Brüder des Volkes Israel. Sie galten im Judentum, Urchristentum und auch in der islamischen Tradition als Vorfahren der Griechen, der Römer und weiterer europäischer Völker. Erhebliche Anteile der heutigen Einwohner Europas und Nordamerikas dürften nach diesem Szenario von Abraham (s) abstammen. Sie sind daher keine “Arier”, wie Ihnen die unselige Rassenlehre des 3. Reiches andichten wollte, sondern in erster Linie Abrahamiten. Soweit bekannt, war jedoch der bedeutendste Prophet, der unter den Söhnen Esaus auftrat, Ayyub (s), oder mit biblischem Namen Jobab bzw. Job. Dieser war ein Nachkomme von Esau mit Ismaels einziger Tochter Basemat. So heldenhaft Job (s) auch in Krankheit und Unglück gewesen ist, er kann unmöglich der Prophet wie Mose gewesen sein, der den Kindern Israel die Erfüllung all ihrer Wünsche bringt, zumal seine Lebenszeit noch vor der Offenbarung der Torah liegt.   Prophet aus Ismael!  - Es bleibt also nur Ismael (s), dessen Name allein bereits “Gott erhört” bedeutet.  - Es ist sicher kein Zufall, dass im Buch Genesis zuerst die Verheißung erzählt wird, wo Allah ta´ala zu Abraham spricht: “So zahlreich [wie die Sterne] werden deine Nachkommen sein.” Im unmittelbaren Anschluss daran wird von Ismaels Geburt berichtet...  - Ismaels Geburt wird Hagar von einem Engel mitgeteilt, der ihr auch seinen Namen verkündet. In der gesamten Bibel gibt es nur eine weitere Frau, der diese Ehre zuteil wird: Maria die Mutter von Jesus (s)!  - Gen 16,13 berichtet, YHVH selbst habe zu Hagar gesprochen und es wird ihr ein Gottesname offenbart. (El-Roi).  Nichts von alledem widerfährt Sarai. (Namensbedeutung: Herrin) Sie ist zwar die Herrin in dieser Welt, aber der Engel Gottes spricht nicht mit ihr, sondern mit Abraham (s), wenn es um die Geburt von Isaak (s) geht.  - Außerdem ergeht vom Engel an Hagar eine Prophezeiung bezüglich ihres Sohnes Ismael (s).  Mit ihr müssen wir uns ausführlicher befassen, denn sie liegt nurmehr in entstellter Form vor. Die Einheitsübersetzung gibt dieses Ismaelorakel folgendermaßen wieder: Gen 16,12 “Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel. Seine Hand gegen alle, die Hände aller gegen ihn. Allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht.” Ein schärferer Gegensatz zur vorangegangen, (und auch im späteren Text wieder aufgenommenen), Ehrung Ismaels und seiner Mutter ist kaum denkbar. Der Verdacht einer Manipulation drängt sich geradezu auf, vor Allem wenn man noch feststellen muss, dass der Gottesname YHVH, der hier im hebräischen Text erscheint, von allen Übersetzungen geflissentlich unterschlagen wird!  Am leichtesten aufklärbar ist noch der “Wildesel”. In einem modernen Torahkommentar liest man als Erläuterung einer Stelle, die sich auf Yusuf (s) bezieht, dass dieselbe Konsonantenfolge “PRT” je nach Vokalisierung als Wildesel oder als fruchttragender Baum gelesen werden kann. Der heutige Torahtext lautet an unserer “Wildesel”-Stelle: Ve HuVA YaHuVaH PRA ADaM. D.h. wörtlich: Und Er ist GOtt(es) Wildesel-Mensch. Man mache sich klar, dass nach dieser Version der heilige Gottesname YHVH unmittelbar vor Wildesel-Mensch erscheint.  Dies´ Märchen glaube wer will!  Hier muss im Urtext PRT statt PRA gestanden haben, was bei entsprechender Vokalisierung Fruchtbaum bedeutet. Die Stelle las sich demnach ursprünglich so: “Und Er [Ismael] ist Gottes Fruchtbaum-mensch.” Diese an sich schon viel positivere Aussage gewinnt aber noch mehr Bedeutung, wenn man weiß, dass Frucht in der Sprache der Torah sich auf Propheten bezieht.  Der “Fruchtbaum-mensch” ist also ein Prophet und/oder ein Stammvater von Propheten und der unmittelbar vorangehende Gottesname verstärkt die Aussage noch. Der wirkliche Sinn dieses Orakels ist demnach: Und Er [Ismael] ist Gottes Prophetenstammvater. Das heißt aber: Von einer unverfälschten Torah aus gesehen war es für die jüdischen Schriftgelehrten ein leichtes zu verstehen, dass der Prophet wie Mose ein Nachkomme des fruchttragenden Ismael sein muss. Nun wird verständlich, wieso sich in den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels so viele Juden in Arabien ansiedelten und vor allem wieso sie gerade im Lande Ismael (s) mit der Erscheinung des Propheten wie Mose rechneten.  Wer war der Prophet wie Mose ?   Seit der Offenbarung der Torah sind mehr als 36* Jahrhunderte vergangen, eine so lange Zeit, dass die Prophezeiung von Dtn. 18.15 sich inzwischen erfüllt haben sollte. Keiner der Propheten nach Mose, auch nicht Jesus hat behauptet, ein neues Gesetz zu bringen. Die Torah blieb für die Israeliten in Kraft. Sie wurde bis zum Erscheinen des Propheten wie Mose nur immer wieder restauriert und interpretiert.  Richten wir unser Augenmerk nun auf jenes Volk dem unserer Analyse zufolge der Prophet entspringen muss. Nach der Chronologie der LXX entstand dieses arabische Volk um 2000 v.Chr. aus den Nachkommen der 12 Söhne Ismaels. Wenn man sich die Geschichte der Kinder Ismaels d.h. der Araber betrachtet, wird man feststellen, dass dieses Volk in den ersten 2500 Jahren seines Bestehens kaum nennenswert in die Menschheitsgeschichte eingegriffen hat. Es lebte überwiegend nomadisierend am Rande der damals zivilisierten Welt, zu unbedeutend um auch nur ein Ziel für Eroberungszüge abzugeben. Das Schicksal der Araber änderte sich erst grundlegend, seit dem Beginn der qur´anischen Offenbarung im Jahre 610 n.Chr. ziemlich genau 26** Jahrhunderte nach der Geburt dieses Volkes. Der Prophet Mohammed s.a.w.s. brachte als erster nach Mose (s) ein vollständiges Gesetz, das demjenigen des Mose ähnelt, nur dass es einfacher und auch unter erschwerten Bedingungen einhaltbar ist. Es ist deshalb nicht nur für die Juden im fruchtbaren Land Palästina, sondern für alle Menschen dieses Planeten geeignet und praktizierbar. Vom Tod Muhammeds s.a.w.s. im Jahre 630 n. Chr. an gerechnet, übten die Muslime für mehr als 1000*** Jahre einen bestimmenden Einfluss auf die Geschichte des Planeten aus und der Islam wurde zur Religion und Kultur für etwa 1/5 der Menschheit. Das amerikanische Time-Magazine erklärte Mohammed s.a.w.s noch vor Jesus (s) zur einflussreichsten Einzelpersönlichkeit in der Geschichte der Menschheit. Mose sprach “YHVH dein Gott wird einen Propheten erwecken, von unter deinen Brüdern, wie mich. Ihn sollt ihr hören “   Wer Ohren hat, der höre ...  * 36 Zahl des Gottesnamens Alah oder Eloha des Singulars von Elohim der Torah. ** 26 Zahl des Gottesnamens YHVH in der Torah.  *** Es könnte sich um die 1000 jährige Friedensepoche handeln, die u.a. in der Johannes-apokalypse angekündigt wird.   1 Genauer müssen wir von dem Teil der Torah sprechen, welcher uns noch heute in schriftlicher Form vorliegt. Denn auch im Judentum ist wohlbekannt, dass ein Teil der ursprünglich offenbarten Torah nur mündlich weitergegeben wurde. “Torah” schließt deshalb die ursprüngliche Gestalt der 5 Bücher Moses ein, bezieht sich aber nicht ausschließlich auf sie.  Im Falle des Zabur d.h. der Psalmen Davids scheint es hingegen eher zu einer Erweiterung als zu einer Reduzierung des ursprünglichen Kitabs gekommen zu sein. So endeten die Psalmen Davids - und nur diese sind im hl. Qur´an als Zabur erwähnt - einmal mit Psalm 72, während heute, bei völlig veränderter Reihenfolge 150 Psalmen mit z.T. von David verschiedenen Autoren vorliegen. Der letzte Vers des ursprünglichen Zabur (PS72, 20) lautet: “Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.” Es ist für die Muslime ein Grund zur Freude, dass dieser Schlusspsalm des ursprünglichen Zabur im Wesentlichen eine Lobeshymne auf Muhammed s.a.w.s. darstellt. z.B. PS72, 7: Aufblühe in seinen Tagen der Gerechte und Friedensfülle sei, bis kein Mond mehr ist. Oder Vers 17: Es sei sein Name auf ewig wie das Angesicht der Sonne. Sprosse sein Name dass man sich mit ihm segne, alle Völker ihn selig preisen.  Wie man sieht handelt es sich um den Messias aller Völker d.h. Muhammed s.a.w.s!   2 Die Terminologie des Gabrielhadith wird bereits bei Jesus (s) sichtbar. Nach Lukas bittet ein Jüngling um Unterweisung und Jesus antwortet, er solle das Gesetz halten. Dieser antwortet, das tue er bereits. Darauf sagt Jesus (s) “Willst du vollkommen [Ihsan!] sein, so verkaufe all dein Hab und Gut, gib es den Armen und folge mir nach.”   3 So z.B. der jüdische Historiker H.J. Schoeps in Theologie und Geschichte des Judenchristentums Tübingen 1949.    4 TO repräsentiert zum größten Teil die Schule von Rabbi Akiba. (Quelle: TO zu Genesis von Moses Aberbach und Bernhard Grossfeld S. 293). Gewisse jüdische Kommentatoren wollten hier in dem Sinne interpretieren, dass sich das Wie dich nicht auf Moses, sondern auf unter deinen Brüdern bezöge. Damit sei gesagt, der zukünftige Prophet sei wie Moses in dem Sinne, dass er Israelit sei, jedoch nicht in dem Sinne, dass er auf gleicher Stufe wie Moses stünde. (Sic) Durch dieses bizarre “gegen den Strich bürsten” der tatsächlichen Aussage, (sowohl der masoretischen, wie auch der LXX-version), sollte erreicht werden, dass A. jener Prophet entgegen der Aussage des Textes aus Israel hervorgeht und dass B. trotzdem kein Widerspruch zu Dtn 34,10 entsteht, wo es explizit heißt: “Es wird kein weiterer Prophet wie Moses in Israel entstehen.”  (Quelle: Targum Onkelos zu Deuteronomium von Israel Drazin S. 182).  5 Die erstaunliche Mischung von samaritanischen und jüdischen Elementen in Qumran bereitet der Forschung bis Heute Probleme. Dennoch wurde der einzige Lösungsvorschlag, der mit allen bekannten Fakten vereinbar ist, bereits um 1960 von dem großen Erforscher des Nazaräertums Danielou gemacht. Demnach stellte Qumran das Zentrum einer samaritanisch jüdischen Mischsekte dar, die von Dositheos um das Jahr 140  v. Chr. in Kokabe nahe Damaskus begründet wurde. Ca. 100 v. Chr. verlagerte die Sekte dann ihr Zentrum von “Damaskus” nach Qumran. Die Dosithäer bildeten noch bis ins 6. Jhdt. n. Chr. eine zahlenmäßig bedeutende Religionsgemeinschaft. Sie gingen schließlich im Christentum und Islam auf.  6 [  ] Fehlt u.a. in der altsyrischen Version von Codex Cureton und stünde auch im Widerspruch zu Jesu Aussage, dass Johannes tatsächlich der angekündigte “Eliah” war! Ferner war allgemein bekannt, dass Eliah vor dem Messias kommen musste, so dass auch die falsche Reihenfolge “Messias vor Eliah” ein Indiz dafür darstellt, dass der auf Eliah bezogene Teilsatz des Standardgextes nicht genuin ist.  7 Nach jüdischen, frühchristlichen und islamischen Quellen ist auch unter den Söhnen Esaus mindestens ein Prophet aufgetreten, den der hl. Qur´an unter dem Namen Ayyub (Job) (s) kennt. Jobab, wie ihn die Genesis nennt, war ein Enkel von Reguel dem Sohn von Esau mit Ismaels Tochter Basemat. Die islamische Überlieferung kennt auch Jobs Sohn Dhul Kifl (s) oder Bishr als Propheten.   8 Das Wort “Schiloh” stellt in der Torah ein Hapaxlegomenon dar, d.h. das Wort kommt nur hier vor und ist deshalb in seiner Bedeutung unsicher.
 
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