Sufizentrum Braunschweig
  Shah Naqshband-2.Teil
 



Sheikh Muhammed Bahauddin Shah Naqshband
Möge Allah seine Seele heiligen

2.Teil



Über die Absicht


Die Absicht gerade zu biegen ist sehr wichtig, weil die Absichten aus der ungesehenen Welt entstammen, nicht der materiellen Welt. Aus diesem Grund nahm Ibn Sirin (Author des Buches über die Interpretation der Träume) nicht am Totengebet Hasan al-Basris teil. „Wie kann ich beten, wenn meine Absicht mich noch nicht mit dem Ungesehen verbunden hat?“ Die Absicht (niyyah) ist entscheidend, sie besteht aus drei Buchstaben:
Nun, was Nur Allah repräsentiert, das Licht Gottes;
Ya, was für Yad Allah steht, die Hand Gottes;
und Ha, was Hidayat Allah beschreibt, die Rechtleitung Gottes.
Die Absicht ist der Lebenshauch der Seele.

Über die Pflichten der Heiligen
In der Gegenwart Azizans gibt es zwei Arten des dhikrs: das stille und das hörbare. Ich bevorzugte das stille, denn es ist kraftvoller und vorzuziehender.

Der Vollkommene muss die Erlaubnis zum dhikr geben, damit es demjenigen helfen kann, der es rezitiert, so wie der Pfeil eines Bogenschützen besser fliegt als, der einer gewöhnlichen Person.

Shah Naqshband fügte drei Säulen zu den acht des Sheikh Abd al-Khaliqs zu: Bewusstwerden der Zeit, der Nummern und des Herzens.

Bewusstwerden der Zeit
Das Bewusstsein der Zeit bedeutet, sich seiner Selbstbeherrschung klar zu werden und die Neigung zu Achtlosem zu überprüfen. Der Suchende muss wahrnehmen, wie viel Zeit er verbracht hat, zur spirituellen Reife voranzuschreiten, und muss erkennen wohin er auf seiner Reise in die göttliche Gegenwart gelangt ist. Er sollte Fortschritte in all seinen Bemühungen machen.

Die Zeit sollte er verbringen, sein alleiniges Ziel zu der Ankunft an der göttlichen Liebe und göttlichen Gegenwart zu machen. Denn all seine Bemühungen und Taten, bis ins kleinste Detail werden von seinem Herrn aufgenommen. Dem Suchenden bedarf es einem Abrechnungsbuch seiner Taten und Absichten zu jeder Zeit und einer Analyse seiner Taten jeder Stunde, jeder Sekunde, jedes Moments.
Sind sie gut, so dankt er Gott dafür. Waren sie schlecht, so betet er um Gottes Verzeihung.

Yaqub al-Charkhi sagte, dass sein Sheikh, Alauddin al-Attar, eklärt hatte: In dem Zustand Niedergeschlagenheit musst du übermäßig um Vergebung bitten und im Zustand der Freude, Gott überreichlich preisen.
Die Bewusstwerdung der Zeit bedeutet sich dem Augenblick zwischen der Zusammendrückung und Weitung des Herzens bewusst zu werden.

Shah Naqshband erklärte:
Du musst deiner Selbst bewusst werden. Folgst du dem göttlichen Gesetz, so danke Gott dafür. Hast du gesündigt, so bete um Vergebung.
Was entscheidend für den Suchenden ist, auch den kürzesten Moment bewusst zu verbringen. Er muss ein Wächter seiner Selbst werden und in jedem Augenblick urteilen ob er in der Gegenwart Gottes oder seines Egos war.
Du musst abschätzen, wie du dein Leben in jedem Moment verbracht hast: mit Bewusstsein oder Fahrlässigkeit.

Bewusstsein der Zahlen
Bewusstsein der Zahlen bedeutet, dass der Suchende die exakte Anzahl seiner Wiederholungen bei seinem stillen dhikr des Herzens zählt. Es geht nicht darum, dass man nachgezählt hat, sondern darum das Herz vor schlechten Gedanken zu bewahren und ihm zu helfen sich mehr auf die Rezitation zu konzentrieren um die vom Sheikh geforderte Anzahl an Rezitationen so schnell wie möglich zu erreichen. Das Nachzählen soll verhelfen, in die Gegenwart des Gepriesenen einzutreten und sich beim einzelnen Abzählen dessen bewusst zu werden, dass alles des Einen bedürft, dessen Zeichen überall in der Schöpfung zu finden sind.
Shah Naqshband sagte, dass das Nachzählen des dhikrs der erste Schritt zum himmlischen Wissen ist. Das Zählen führt dich zu der Erkenntnis, dass alles nur dem Einen bedarf. Alle mathematischen Gleichungen brauchen die Eins. So hängt auch jedes Geschöpf von dem Einen ab.

Bewusstsein des Herzens
Die Achtsamkeit des Herzens beschreibt die Hinwendung des Suchenden zur göttlichen Gegenwart, wo er nichts mehr außer seinem Geliebten sehen wird.
Es bedeutet Seine Manifestationen in allen Zuständen zu erfahren.

Ubayd Allah al-Ahrar sagte: „Das Bewusstsein des Herzens ist, dem Zustand in der göttlichen Gegenwart auf solch eine Weise bewusst zu sein, dass wohin man auch sein Antlitz wenden möge, man nur Ihn sieht.“

Man konzentriert dann das dhikr in das Herz, denn es ist das Zentrum der Kraft. All Gedanken und Inspirationen, gut oder schlecht, werden im Herzen verspürt und ziehen eines nach dem anderen, im ständigen Wechsel zwischen Licht und Finsternis, hindurch.
Dhikr ist da, um die Turbulenzen des Herzens zu kontrollieren und zu verringern.

Die Bedeutung der Gemeinschaft Muhammeds

Shah Naqshband sagte:
Der Prophet verkündete: „Der Anteil aus meiner Gemeinschaft, denen das Höllenfeuer vorherbestimmt ist, gleicht einem Abraham , der in das Feuer Nimrods katapultiert wurde.“ Somit teilte er uns die frohe Botschaft der Errettung seiner Gemeinschaft mit, so wie Gott Abraham vor dem Feuer bewahrt hatte: „O Feuer, sei kühl und sicher für Abraham.“(21:69) Denn auch sagte der Prophet : „Meine Gemeinschaft wird niemals Schlechtes befürworten.“ Er bestätigte damit, dass seine Gemeinschaft niemals Schlechtes akzeptieren wird und daher Gott die Gemeinschaft Muhammeds verschonen wird.

Sheikh Ahmed al-Faruqi berichtet von Shah Naqshband:
Zur Gemeinschaft Muhammeds zählen auch diejenigen, die nach ihm gekommen sind.
Sie besteht aus drei Teilen: ummat ad-dawah, ummat al-ijaba und ummat al-mutabaa.

Ummat ad-dawah: In diese Gruppe gehört absolut jeder, der nach ihm auf diese Welt gekommen ist, und einfach von seiner Botschaft gehört hat. Dass der Prophet zu allen Menschen gesandt ward, kommt in vielen Versen des Qurans zum Ausdruck (Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge 7:156, Gott bezeichnete den Propheten als eine Barmherzigkeit für die Welten 21:107; Sprich: Ich ward zu euch allen gesandt 7:158); des weiteren ist seine Gemeinschaft Zeuge über all den anderen und der Prophet ist Zeuge über jeden, einschließlich der anderen Gemeinschaften wie auch über deren Zeugen. (Und so machten Wir euch zu einem Volk der Mitte, auf dass ihr Zeugen für die Menschen seid. Und der Gesandte wird für euch Zeuge sein. 2:143 Und wie (wird es mit den Ungläubigen stehen), wenn Wir von jedem Volk einen Zeugen bringen, und wenn Wir dich wider sie als Zeugen bringen?!(4:41)

Ummat al-ijaba: Jene, die die Botschaft angenommen haben.

Ummat al-mutabaa: Jene, die die Botschaft angenommen haben und den Fußspuren des Propheten gefolgt sind.

All diese Gruppen aus der Gemeinschaft des Propheten werden gerettet werden. Und wenn sie nicht aufgrund ihrer Taten bewahrt werden, dann aufgrund der Fürsprache des Propheten : „Meine Fürsprache ist für die Sündigen meiner Gemeinschaft.“

Über das Erreichen der göttlichen Gegenwart
Shah Naqshband sagte:
Die Überlieferung des Propheten :„Das Gebet ist die Himmelsfahrt des Gläubigen“ ist ein deutliches Anzeichen für die verschiedenen Stufen eines wahren Gebets, in dem der Betende in die göttliche Gegenwart emporsteigt, wo sich in ihm Ehrfurcht, Ehrerbietung, Gehorsam und Demut manifestiert, sodass sein Herz einen Zustand des Nachsinnes durch das Gebet einnimmt, welches ihn zur Schau der göttlichen Geheimnisse führt. So war das Gebet des Propheten . Wenn er betete, so konnte man noch außerhalb der Stadt Geräusche aus seiner Brust hervorkommen hören, die dem Brummen der Bienen im Bienenstock glich.

Einer der Gelehrten Bukharas fragte Shah Naqshband: „Wie kann man in seinem Gebet die göttliche Gegenwart erreichen?“
Er antwortete: „Durch Essen, das du dir mit Müh und Fleiß verdient hast und durch die Erinnerung Gottes des Allmächtigen in jedem Zustand deines Lebens.

Über den verborgenen Polytheismus
Sheikh Salah, sein Diener, berichtet: inmal sagte Shah Naqshband zu seinen Schülern: „Jegliche Verbindung eures Herzens mit jemand anderem außer Gott, ist der größte Schleier für euch.“
Und rezitierte folgende Verse:

Die Verbundenheit nicht mit Gott
Ist des Suchenden größter Schleier
Wem gelingt sie zu zerreißen
Dem ist offen der Weg des Erfolges

Gleich nachdem er diese Verse rezitiert hatte, kam in mein Herz, dass er von der Verbindung zwischen Glaube und der Hingabe Gottes sprach. Er schaute zu mir und lachte: „Hast du nicht gehört was Hallaj gesagt hat? ‚Ich verwerfe die Religion Gottes, denn das ist mir Pflicht, auch wenn es den Muslimen nicht gefällt.’
O Sheikh Salah, was in dein Herz kam ist nicht der springende Punkt.
Was entscheidend ist, ist der wahre Glaube und wahrer Glaube bedeutet für die Wahrhaftigen, sich allem zu entsagen, was nicht Gott ist.
Das ist was Hallaj dazu verleitete so etwas zu sagen.
Sein Herz wollte nichts außer Gott.“

Er fuhr fort: „Hallaj bestritt natürlich nicht seinen Glauben im Islam, sondern betonte seine Hingabe Gottes. Wie kann man von jemandem behaupten, der nichts außer nach Gott fragt, dass er nicht der Religion Gottes angehört. Die Wahrheit seines Glaubensbekenntnis stellte die übliche Glaubensbekenntnisse in den Schatten.

Sheikh Salah sagte weiter: Ich hörte von Shah Naqshband: „Die Leute Gottes bewundern nicht ihre Taten; all ihre Taten entspringen ihrer Liebe zu Gott.

Rabia al-Adawiyya sagte: „O Gott, Ich bete nicht deines Paradieses wegen oder aus Furcht vor dem Höllenfeuer, sondern ganz und allein deiner Liebe wegen.“
Betest du um dich zu retten oder aufgrund der Belohnung, so ist das verborgener Polytheismus, denn du sprichst Gott Teilhaber zu, nämlich die Belohnung oder die Bestrafung. Das ist, was Hallaj hat versucht auszudrücken.“

Von Sheikh Arslan ad-Dimashqi wissen wir über Shah Naqshband: O Gott, Deine Religion ist nichts anderes als verborgener Polytheismus und nicht zu glauben ist eine Pflicht für jeden wahren Gläubigen. Die Leute der Religion beten nicht dich an, sondern das Paradies, welches ihnen ein Schutz vor dem Höllenfeuer sein soll. Das sind ihre Götzen und das ist die schlimmste aller Arten des Götzendienstes.
Du Hast gesagt: „Wer die Götzen verwirft und an den Gott glaubt, der hat den festesten Halt erfasst.“ (2:256)
Diese Götzen zu verwerfen und an Dich zu glauben ist ein Muss für die Wahrhaftigen.

Sheikh Abul Hasan ash-Shadhili, einer der größten Sufi Sheikhs, wurde von seinem Sheikh gefragt: „Womit willst du deinen Herrn treffen?“
Er antwortete: „Ich komme zu ihm mit meiner Armut.“

Sein Sheikh erwiderte: O mein Sohn, wiederhole dies niemals mehr. Das ist der größte Götze, denn noch immer willst du zu ihm mit etwas kommen. Befreie dich von allem und gehe erst dann zu ihm. Die Gelehrten des Gesetzes und der äußeren Form halten fest an ihren Taten und auf dieser Basis erstellen sie das Konzept der Strafe und Belohnung. Sind sie gut, so werden sie Gutes vorfinden, wenn nicht, dann Schlechtes; was dem Diener gut tut, sind seine Taten, was ihm schadet sind ebenfalls seine Taten. Für die Suchenden auf diesem Weg ist dies verborgener Polytheismus, denn man schreibt Gott Teilhaber zu. Die guten Taten sind zwar eine Pflicht, aber das Herz sollte sich nicht darauf verlassen. Sie sollten nur Seinetwegen und Seiner Liebe wegen verrichtet werden, ohne irgendetwas im Gegenzug zu erwarten.

Über den Naqshbandi Weg
Shah Naqshband sagte: Unser Weg ist rar und sehr edel.
Er ist die „feste Umklammerung“, das stetige Befolgen der Fußspuren des Propheten und seiner Gefährten. Man eröffnete mir diesen Weg an der Türe der Gunst, denn weder an seinem Anfang oder an seinem Ende, sah ich nichts, was nicht die Gunst Gottes war. Auf diesem Weg werden große Pforten des himmlischen Wissens demjenigen geöffnet werden, der den Fußspuren des Propheten folgt.
Die Sunnah des Propheten zu befolgen ist das wichtigste Mittel um diese Pforten zu öffnen.
Wer nicht unseren Weg beschreitet, dessen Religion ist in Gefahr.
Als man ihn fragte, wie man denn zu eurem Weg kommt, so antwortete Shah Naqshband, durch das Festklammern an der Sunnah
Wir bewahrten auf diesem Weg die Demut und Gott segnete uns mit Ehre.

Manche bezeichneten ihn manchmal als arrogant. Er jedoch erwiderte: „Wir sind Seinetwegen stolz, er gibt uns Seine Unterstützung!“

Er sagte: Die Geheimnisse der Einheit zu erlangen ist manchmal möglich. Aber die des spirituellen Wissens ist äußerst schwer.

Spirituelles Wissen ist wie Wasser, es übernimmt die Farbe und Form des Gefäßes. Gottes Wissen ist so gigantisch, dass wir soviel nehmen könnten wie wir wollen, aber es doch in Wirklichkeit nur einem Tropfen eines endlosen Ozeans gleicht. Wie ein großer Garten, schneide soviel du willst, am Ende ist es doch nur eine Blume.

Seine Einstellung hinsichtlich des Essens
Shah Naqshband, möge Gott seine Seele heiligen, erreichte die höchsten Stufen der Entsagung der Wünsche dieser Welt. Er beschritt den Weg der Frömmigkeit, besonders wenn er aß und traf alle Vorkehrungen, wenn es ums Essen ging. Er aß nur die Gerste, die er selbst in seinem Garten anwachsen ließ. Er erntete sie, zermalmte sie, machte den Teig, knete ihn und backte Brot. Alle Gelehrten und Suchenden machten sich auf den Weg zu seinem Haus um einmal von seiner Tafel und dessen Segen kosten zu können.
Im Winter legte er lediglich alte verfranzte Teppiche auf seinen Fußboden aus, die keinen Schutz vor der bitteren Kälte boten. Im Sommer benutzte er dünne Matten. Er liebte die Armen und Bedürftigen und drängte seine Schüler Geld durch redliche Arbeit zu gewinnen, um es den Armen zu spenden. Auch kochte er für die Armen und lud sie zu seiner Tafel ein. Ihnen mit seinen eigenen Heiligen Händen dienend, riet er ihnen immer der Gegenwart Gottes bewusst zu sein. Würden sie ein Stück achtlos zu sich nehmen, so würde er sie spirituell darauf hinweisen, die Gotteserinnerung beim Essen nicht zu vergessen.
So lehrte er, dass das bewusste Essen zur Gegenwart Gottes führt. Das Essen erfrischt den Körper mit neuer Stärke und Essen mit aufmerksamen Geist liefert dem Körper Reinheit.
Einmal lud man ihn in die Stadt Ghaziuts ein und sein Schüler hatte für ihn ein Mahl vorbereitet. Als sie sich zum Essen setzten, aß er nicht. Der Gastgeber war verwundert. Der Sheikh erklärte „O mein Sohn, ich wundere mich, wie du dieses Essen zubereitet hast. Vom kneten bis es gebacken war, warst du in einem Zustand des Zorns. Das Essen ist voll mit diesem Zorn. Sollten wir es essen, so wird Satan einen Weg in uns finden und schlechtes in unserem Körper verbreiten.“
Ein anderes Mal hatte ihn König Husayn nach Herat eingeladen. Der König freute sich über seinen ehrenwerten Gast und ließ ein Festessen zubereiten. Auch sollten all seine Minister, die Sheikhs seines Königreiches und der ganze Adel kommen. „Esst davon. Es ist rein. Es ist von den rechtmäßigen Erträgen, die ich von meinem Vater erbte.“ Jeder aß bis auf Shah Naqshband, so dass der Sheikh al-Islam, Qutb ad-Din, fragen musste: „O unser Sheikh warum isst du denn nicht?“ Shah Naqshband erwiderte: „Ich habe einen Richter, den ich von Mal zu Mal um Rat aufsuche und er teilte mir mit: ‚O mein Sohn, es gibt zwei Möglichkeiten für dieses Essen. Ist es nicht rechtmäßig und du isst es nicht, dann kannst du sagen, wenn du darüber befragt wirst, ich habe es nicht gegessen. Aber was wenn du es isst. Dann garantiere ich für nichts.“
Qutb ad-Din überwältigten diese Worte dermaßen, dass er erschauerte. Er bat den König um Erlaubnis mit dem Essen aufhören zu dürfen. Der König war verwundert: „Was sollen wir mit all diesen Speisen machen?“ Shah Naqshband schlug vor: „Gibt es Zweifel über dieses Essen, so sollte es den Armen gegeben werden. Ihre Not wird es ihn erlauben. Ist es rechtmäßig, wie Sie behaupten, so wird sogar noch mehr Segen darin sein es den Armen zu spenden, als damit jene vollzustopfen, die dessen gar nicht bedürfen.“
Die meiste Zeit fastete er. Bekam er Besuch und hatte er etwas anzubieten, so setzte er sich mit ihm hin und brach sein Fasten. Er erklärte seinen Schülern, dass die Gefährten des Propheten auf dieselbe Weise gelebt hatten.

Sheikh Abul Hasan al-Kharqani sagte in seinem Buch, „Die Säulen des Weges und die Bedingungen die Wirklichkeit zu erreichen“:
Bewahrt die Harmonie unter euch und euren Freunden, aber nicht beim Sündigen. Das bedeutet, dass wenn du fastest und ein Freund kommt dich besuchen, so musst du dich mit ihm hinsetzen und essen um angemessenes Verhalten zu pflegen.
Ein wichtiger Punkt des Gottesdienstes ist, dass man versucht ihn zu verbergen.
Denn enthüllt man ihn, so könnte man leicht von Stolz besessen werden, was z.B. den Wert des Fastens vernichtete.
Das ist die Absicht dahinter.

Man schenkte ihm einmal gebackenen Fisch. Um ihn herum waren sehr fromme Arme, darunter auch ein Junge, der fastete. Shah Naqshband gab den Armen den Fisch und lud sie zum Essen ein.
Der Junge weigerte sich jedoch.
„Was wäre jedoch, wenn ich dir einen meiner Tage des Ramadans gäbe? Wirst du dann essen?“
Wieder wollte er nicht.
„Auch Bayazid al-Bistami wurde einmal mit so einem wie dich geplagt“, sagte er.
Danach sah man den Jungen nach den weltlichen Lüsten hinterher rennen, das Fasten und den Gottesdienst aufgebend.

Das Ereignis zu dem sich Shah Naqshband bezog, ereignete sich eines Tages als Sheikh Abu Turab an-Naqshabi Bayazid al-Bistami besuchte. Sein Diener bot ihm zu essen an.
Abu Turab bat den Diener darum, doch mit ihm zu essen.
Er erwiderte: „Nein. Ich faste.“
„Komm und iss und Gott wird dir die Belohnung des Fastens eines Jahres geben.“
Er verweigerte.
„Komm ich werde beten, dass Gott dir die Belohnung für zwei Jahre gibt.“
Daraufhin sagte Sheikh Bayazid: „Lass ihn. Gottes Fürsorge hat ihn soeben verlassen.“
Dann veränderte sich sein Leben und er wurde ein Dieb.

Seine Wunder und Großzügigkeit
Shah Naqshbands Zustand und sein Wissen überschreiten jeglichen Horizont. Sein Dasein allein war schon sein größtes Wunder.
Oft verbarg er seine Taten, um seine wundervollen Kräfte nicht zur Schau zu stellen. Trotzdem gelang es, viele seiner Wunder aufzunehmen.

Shah Naqshband, möge Gott seine Seele segnen, sagte: Eines Tages ging ich mit Muhammed Zahid raus in die Wüste. Er war ein vertrauensvoller Schüler und wir hatten Hacken mitgenommen, mit denen wir graben wollten.
Je tiefer wir gruben, desto tieferes Wissen erschloss sich uns, so dass wir die Hacken hinweg warfen und in das spirituelle Wissen eintauchten. Immer weiter und weiter bis wir zur Natur des Gebetes kamen: „O mein Sheikh, zu welchen Stufen hebt uns das Gebet empor?“ Ich antwortete: „Man erlangt solch Vollkommenheit, dass der Betende zu jemandem ‚stirb’ sagen könnte und er fiele auf der Stelle tot um.“ Als ich dies sagte, zeigte ich unbewusst auf Muhammed Zahid und er fiel urplötzlich um.
Er verharrte in einem Zustand des Todes vom Sonnenaufgang bis zum Mittag. Es war sehr heiß. Ich befürchtete, sein Körper verschlimmerte sich aufgrund der erstickenden Hitze. Folglich zog ich ihn unter einen Baum und dachte darüber nach, was gerade geschehen war.
In Mein Herz kam eine Inspiration aus der göttlichen Gegenwart, die mich aufforderte zu sagen: „O Muhammed, lebe!“
Drei Mal rief ich dies zu ihm. Und seine Seele fand langsam wieder Einkehr in seinen Körper und er bewegte sich wieder.
Ich fragte meinen Sheikh darüber, was vorgefallen war: „O mein Sohn, Gott begnadigte dich mit einem Geheimnis, das zuvor noch niemandem zuteil gewesen war.“

Sheikh Alauddin al-Attar sagte: Einmal kam der König Transoxianas, Sultan Abd Allah Kazgan, nach Bukhara. Er beschloss mit einigem Gefolge in der Umgebung zu jagen. Shah Naqshband befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem Dorf in der Nähe. Als man die Jagd begann, bestieg Shah Naqshband die Spitze eines Hügels und setzte sich dorthin. Es erreichte sein Herz eine Eingebung, dass der Herr seine Heilige so ehrte, dass sich vor ihnen alle Könige verbeugen sollten.
Dieser Gedanke war noch nicht aus seinem Herzen, als ein Reiter sich seiner Gegenwart näherte.
Voll Demut grüßte er Shah Naqshband und verbeugte sich vor ihm. Shah Naqshband gewährte ihm jedoch keinen Blick und der Sultan sollte so voller Unterwürfigkeit eine Stunde lang stehen, bis Shah Naqshband zu ihm sprach: „Was machst du hier?“
Er antwortete: „Ich bin der König Kazgans. Ich war auf der Jagd und ich vernahm solch liebliche Düfte, dass ich ihnen folgen musste. Sie geleiteten mich in deine Gegenwart, wo ich dich von kraftvollem Licht umhüllt erblickte."
Sein alleiniger Gedanke „Alle Könige sollten sich vor den Heiligen verbeugen“ wurde umgehend Realität.
So ehrt Gott die Gedanken der Heiligen.

Ein Schüler, der ihm in der Stadt Mervs diente, berichtet: Eines Tages wünschte ich meine Familie in Bukhara zu besuchen, als ich von dem Tod meines Bruders gehört hatte. Ich wusste, dass ich meinen Sheikh vorher um Erlaubnis fragen musste. Also sprach ich mit Amir Husayn, dem Prinzen von Herat, auf das er für mich bei Shah Naqshband um Erlaubnis fragte.
Auf dem Rückweg vom Freitagsgebet informierte Amir Husayn ihn über den Tod meines Bruders und teilte mit, dass ich gehen wolle.
„Nein, unmöglich. Wie kannst du sagen, er sei verstorben, wenn ich ihn doch noch sehen kann? Mehr als nur das, ich kann sogar seinen Geruch vernehmen. Ich werde ihn jetzt hierher holen.“
Kaum beendete er seine Worte und mein Bruder erschien vor mir.
Er näherte sich dem Sheikh, küsste seine Hand und grüßte Amir Husayn. Ich umarmte meinen Bruder und große Freude war unter uns.

Sheikh Alauddin sagte: Sheikh Shah Naqshband saß einmal in einer großen Zusammenkunft in Bukhara, in der er über die Entschleierung der Vision sprach.
„Mein bester Freund, Mawla Arif, der in Khwarazm lebt, (400 Meilen von Bukhara) hat Khawarazm verlassen, um zum Regierungsgebäude zu gehen. Soeben hat er eine Haltestelle für Pferdekutschen erreicht und wartete dort für einen Moment und jetzt kehrt er wieder zurück zu seinem Haus in Khwarazm. Er hat beschlossen nicht zum Serail weiterzugehen. Das ist wie ein Heiliger in seinem Zustand, der eine Gotteserkenntnis hat.“
Jeder war darüber erstaunt. Obwohl wir wussten, dass er ein großer Heiliger war, schrieben wir uns die Zeit und den Tag auf, um vielleicht später einmal Mawla Arif darüber zu befragen.
Eines Tages kam Mawla Arif nach Khawarazm und wir berichteten ihn von diesem Vorfall.
Er war verwundert: „Das ist wahr, genau das war vorgefallen.“

Einige Gelehrte aus Bukhara reisten in den Irak zusammen mit Schülern Shah Naqshbands und sie erreichten die Stadt Simnans. Sie hörten, es gebe einen gesegneten Mann namens Sayyid Mahmud, der ein Schüler des Sheikhs war.
Also beschlossen sie ihn zu besuchen: „Wie hast du den Sheikh kennen gelernt?“
Er erklärte: Eines Nachts sah ich den Propheten in einem Traum.
Er saß an einem schönen Platz und neben ihm war ein Mann von majestätischer Erscheinung. Ich sagte zum Propheten voll Respekt und Demut: „O Gesandter Gottes, ich wurde nicht damit geehrt eine Gefährte zu deiner Zeit zu sein. Was kann ich tun, um zumindest eine ähnliche Ehrung zu erhalten?“
Er riet mir: „O mein Sohn, willst du damit geehrt werden, unser Freund zu werden und mit uns zusammen zu sein, so folge meinem Sohn, Shah Bahauddin Naqshband.“
Als ich fragte wer denn Shah Bahauddin Naqshband sei, wies er mich auf jene Person neben ihm und riet mir ihm zu folgen.
Ich hatte ihn zuvor noch nie gesehen, also schrieb ich mir seinen Namen und eine Beschreibung seiner Erscheinung in ein Buch, welches in meiner Bücherei war.

Viele Tage verstrichen, bis ich eines Tages in einem Geschäft stand, in das eine Person erhabener Erscheinung eintrat und sich auf einen Stuhl setzte. Als ich ihn sah, erinnerte ich mich an meinen Traum. Sofort bat ich ihn darum, ob er mir nicht die Ehre erwiese, ihn in mein Haus einladen zu dürfen. Er nahm an und wir gingen los. Ich lief ihm nach, denn ich wagte nicht, vor ihm herzulaufen und ihm den Weg zu zeigen. Er blickte nicht einmal zu mir und schlug geradewegs den Weg zu meinem Haus ein. Ich wollte gerade sagen, das ist mein Haus, als er anhielt: „Das ist dein Haus.“ Das Haus betretend, ging er jetzt direkt in mein Zimmer. Das ist dein Zimmer, sagte er und ging zu meinem Bücherschrank und nahm ein Buch von Hunderten heraus. Er überreichte es mir und fragte: „Was hast du hinein geschrieben?“

Mein Traum hatte sich erfüllt. Ich verlor mein Bewusstsein und wich dem Licht, das in mein Herz strömte. Als ich wieder zu mir kam, fragte ich, ob er mich annähme. Es war Shah Bahauddin Naqshband.

Sheikh Muhammed Zahid sagte: Als ich anfing diesen Weg zu beschreiten, saß ich eines Tages im Frühling neben ihm. Mein Herz sehnte sich auf einmal nach einer Wassermelone. Er schaute mich an und sagte: „Muhammed Zahid, gehe zum Fluss in unserer Nähe, und bringe uns was du siehst, damit wir es essen können.“ Sofort machte ich mich auf den Weg. Das Wasser war sehr kalt. Ich griff in das Wasser hinein und fand eine Wassermelone, die so frisch war, als sei sie ebengerade aufgeschnitten worden. Ich war sehr glücklich und bat den Sheikh: „O mein Sheikh, bitte nehme mich auf.“

Einer seiner Schüler berichtet das folgende über seinen Besuch bei ihm: Vor dem großen Besuch fragte ich Sheikh Sadi, einer der älteren Schüler, um Rat. Er erklärte mir: „O mein Bruder, wenn du den Sheikh besuchen gehst oder in seiner Gegenwart sitzen wirst, dann achte darauf dich nicht so hinzusetzen, dass deine Füße zu ihm hinzeigen.“ Als ich Ghaziut auf meinem Weg zu Qasr al-Arifan verließ, kam ich an einem Baum vorbei, unter dessen Schatten ich mich hinlegte und ausstreckte. Es kam ein Tierchen und biss mich an meinem Bein. Diesmal mit Schmerzen schlief ich wieder ein. Während ich schlief kam von neuem ein Tierchen und biss mein Bein. Schließlich begriff ich meinen großen Fehler. Ich hatte meinen Fuß in Richtung des Sheikhs ausgestreckt. Folglich bereute ich und die Tiere hörten schließlich auf mich zu beißen.

Einmal wurde Shah Naqshband gezwungen wunderliche Kräfte zu zeigen um einen seiner Nachfolger in Bukhara, Sheikh Muhammed Parsa, zu schützen. Dies geschah als Sheikh Muhammed Shamsuddin al-Jazairi nach Samarkand gekommen war, zu Zeiten Königs Mirza Aleg Beg, um die Richtigkeit der Überlieferungsketten der Überlieferungen des Propheten zu überprüfen. Einige neidige und korrupte Gelehrte behaupteten, Sheikh Muhammed Parsa spräche von Überlieferungen, deren Überlieferungsketten nicht bekannt wären. Sie versprachen Shamsuddin Gottes große Belohnung, könnte er das Problem beheben. Sheikh Shamsuddin bat den Sultan, Sheikh Muhammed Parsa möge vor ihm erscheinen. Der Sheikh al.-Islam Bukharas, Husamuddin an-Nahawi, war ebenfalls mit vielen anderen Gelehrten und Imamen der Umgebung anwesend.
Shah Naqshband kam mit Muhammed Parsa zu diesem Treffen. Sheikh Husamuddin befragte Muhammed Parsa über eine Überlieferung. Muhammed Parsa erzählte die Überlieferung mit dessen Kette. Sheikh al-Jazairi sagte: „Im Inhalt gibt es keinen Fehler, jedoch in der Überlieferungskette“ Als die neidigen Gelehrten das hörten, freuten sie sich. Muhammed Parsa wurde nun darum gebeten eine andere Kette anzugeben und wieder hieß es, sie sei fehlerhaft. Und das gleiche war auch beim dritten Versuch der Fall.
Shah Naqshband kam dazwischen, denn er hatte gemerkt, sie an allem etwas auszusetzen hatten. Er inspirierte Muhammed Parsa eine Gegenfrage zu Sheikh Husammuddin zu stellen: „Sie sind Sheikh-ul-Islam und der mufti. Gemäß dem was Sie über das Wissen der äußeren Form gelernt haben, über das göttliche Gesetz und das Wissen über die Überlieferungen, was sagen Sie über den-und-den Erzähler?“ Er sagte: „Wir akzeptieren diesen und bauen einen großen Teil unseres Wissen der Überlieferungen auf ihm auf. Auch nehmen wir seine Bücher an. Weiter ist seine Überlieferungskette von allen Gelehrten anerkannt. Es gibt keine Uneinigkeit über ihn.“ Muhammed Parsa sagte: „Das Buch jener Person, welchen ihr anerkennt, ist in Eurem Haus in Eurer Bibliothek, zwischen dem-und-dem Buch. Es umfasst 500 Seiten, seine Farbe ist die-und-die, der Einband der-und-der und die Überlieferungen die Ihr soeben zurückgewiesen habt, befindet sich auf der-und-der Seite.“
Sheikh Husamuddin war verwirrt. Zweifel zog in sein Herz, denn er konnte sich nicht erinnern solch ein Buch gesehen zu haben. Jeder war überrascht, dass jemand von einem Buch Bescheid wusste, von dem noch nicht einmal der Besitzer etwas ahnte. Es gab nun keine andere Möglichkeit, als jemanden zu senden um nachzuschauen. Die Überlieferung wurde gefunden, wie Muhammed Parsa es vorhergesagt hatte. Als der König davon hörte demütigte er jene Gelehrte und erwies Shah Naqshband und Muhammed Parsa vollkommene Ehre.

Sein Scheiden von dieser Welt
Sheikh Ali Damman, ein Diener des Sheikhs, sagte: „Der Sheikh bat mich, sein Grab auszugraben. Als ich fertig damit war, fragte ich mich, wer denn wohl sein Nachfolger sein wird. Er hob sein Haupt von seinem Kissen: ‚O mein Sohn, vergiss nicht was ich dir auf unserem Weg zum Hejaz sagte, wer unseren Weg begehen will, der soll Sheikh Muhammed Parsa und Sheikh Alauddin Attar folgen.’“
Seine letzten Tage verbrachte er in seinem Zimmer. Von weither strömten Menschen zu ihm um ihn nach einem letzten Rat zu fragen. Schließlich bat er einen, die Sure Yasin (Kapitel 36, gilt als das Herz des Qurans) zu rezitieren. Als die Rezitation beendet wurde, erhob er seine Hände zu Gott. Dann seinen Finger um das Glaubensbekenntnis der Einheit Gottes und des Prophetentum des Muhammed ein letztes Mal aufzusagen und seine Seele kehrte zurück zu ihrem Herrn.
Er verließ diese Welt in der Nacht eines Montages am 3en des Monats Rabi al-Awwal im Jahre 791 n.H./1388 n.Chr. Auf seinen Wunsch hin, wurde er in seinem Garten begraben. Die nachfolgenden Könige Bukharas pflegten seine edle Schule und Moschee, in dem sie sie ausbauten und die religiöse Ausstattung vergrößerten. Nach dem Fall des Kommunismus in Zentralasien wurde sein Zentrum des Wissens zu neuem Glanz restauriert.
Abd al-Wahhab ash-Sharani, der spirituelle Pol seiner Zeit sagte: „Während der Sheikh in sein Garten begraben wurde, eröffnete sich ihm ein Fenster des Paradieses, welches sein Grab zu einem Hain des Himmels verwandelte. Zwei wunderschöne spirituelle Wesen betraten seine Gegenwart und grüßten ihn: „Seit dem Tage, an dem Gott uns hat erschaffen, haben wir auf diesen Moment gewartet, endlich dir dienen zu dürfen.“ Er erwiderte: ‚Ich schaue auf nichts anderes außer Ihm. Ich brauche euch nicht. Ich will einzig und allein meinen Herrn.’“
Shah Naqshband hinterließ viele Nachfolger, darunter sind die ehrenwertesten: Sheikh Muhammed ibn Muhammed Alauddin al-Khwarazmi al-Bukhari al-Attar und Sheikh Muhammed ibn Muhammed ibn Mahmud al-Hafizi, auch bekannt als Muhammed Parsa, der Autor der Risala Qudsiyya. Es war der erstere, dem Shah Naqshband das Geheimnis der Goldenen Kette anvertraute.
 
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