Sufi-Treffen, 24. September 2010 19.30 Uhr
Amara Schule, Lister Meile 33, (2tes Hinterhaus), 30161 Hannover

BRAUNSCHWEIG TREFFEN 10.09.10 UM 19.00 UHR

   
  Sufi-Zentrum Braunschweig
  Sheikh Ahmed Yasin
 



Sufismus



Ich war ein verborgener Schatz und sehnte Mich danach, erkannt zu werden, also erschuf Ich die Welt, auf dass Ich erkannt würde  (HADITHI-KUDSI - Ausspruch Gottes durch den Propheten)                     

Sufismus ist die Mystik des Islams  Der Sufismus leitet sich von dem arabischen Wort "suf" (Wolle) ab. "Suf" wurde das weiße Wollkleid genannt, das die Sufis bzw. Derwische als Zeichen der Demut trugen. Eine andere Möglichkeit ist auch die Herleitung von arab. "safu" (Reinheit), da die Sufis die spirituelle Reinheit erstreben.  Zentrales Thema im Sufismus ist die Liebe, die als hauptsächliche Kraft des Universums betrachtet wird. Da durch die Liebe Gottes das Universum überhaupt existiere, müsse der Mensch lernen Gott zu lieben und somit würde er auch alles lieben lernen, was von Allah erschaffen wurde, also seine Mitmenschen, die Natur und alle Dinge. Für die Liebenden Allahs ist Allah allein die Quelle von Leid und Freude. Er ist der Lohn ihrer Arbeit und wirklicher Reichtum, sagte Mevlana Celaleddin Rumi (Mesnevi).  Sufis sind Menschen, die ihr Leben der Suche nach der Wahrheit und der Liebe zu Allah geweiht haben. Diese Wahrheit ist immerzu vorhanden und frei von jedweder Determiniertheit. Man gelangt nur aufgrund direkter persönlicher Erfahrung zum Ziel. Toleranz, Aufrichtigkeit, Klarheit und Geduld sind wichtige Begleiter auf diesem Weg. Man beginnt die Suche bei sich selbst, denn Allah sagt im Heiligen Koran: "Ich bin euch näher als eure Halsschlagader". Dies bedeutet, dass es nötig ist, sich selbst zu erkennen, um Gottes Wahrheit zu erfahren. Ein Sufi Meister sagte einmal: "Ein Sufi ist ein Mensch, der genau in der Mitte zwischen den beiden Polen der Dualität verweilt. Der Mystiker Yunus Emre drückte diesen Gedanken folgendermaßen aus: "An der Fülle nicht froh, durch Leere nicht traurig, selig in Deiner Liebe zu Dir; Dich brauche ich, Dich."  Um ein Sufi zu werden, muss der Derwisch Reue zeigen. Reue (tawba) bedeutet, dass jemandem etwas Leid tut, er nun Gewissensbisse bekommt und sich dann Gott mit der neu gefassten Absicht zuwendet, bislang Vernachlässigtes nachzuholen. Reue heißt auch sich von allem, was Gott hasst und verbietet, fern zu halten, selbst wenn Gefühl und Verstand dies nicht für nötig halten. Normalerweise wird Reue in Verbindung mit dem Wort nasuh gebraucht, was wörtlich soviel heißt wie rein, aufrichtig korrigierend, verbessernd und wiederherstellend. Tawba nasuh - aufrichtige und korrigierende Reue - meint eine reine, aufrichtige Reue, die auf vollkommene Art und Weise verbessert und wiederherstellt. Dies bedeutet, dass man für das, was man zu Unrecht getan hat, aufrichtige, innige und echte Gewissensbisse fühlt und in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel für andere Menschen liefert. Der Koran verrät uns, was er unter wahrer Reue versteht: "O ihr, die ihr glaubt, wendet euch in aufrichtiger Reue zu Allah."  Im Sufismus mus jeder Sufi bestimmte Praktiken ausüben. Bevor ein Sufi überhaupt mit den Praktiken beginnen kann müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Der Suchende also der Sufi muss sich zunächst der geistigen Führung eines Meister (Sheikh, Mürsid) anvertrauen. Eine weitere wesentliche Grundlage für die Ausübung der Praktiken ist das gute Benehmen (genannt Adab). Es geht dabei um den Respekt für den Mitmenschen und die ganze Schöpfung. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind können die spirituellen Übungen ausgeübt werden, die den Sufis von Ihren Meistern übertragen werden.  1.) Zusätzliche Gebete Der Sufi muss auf dem Weg zur vollkommenen göttlichen Liebe die ihm übertragenen Rituale wie zusätzliche Gebete, Fasten, Askese ausüben. Jedoch die fünf Säulen des Islams sind ausnahmslos Bestandteile der einzuhaltenden Rituale.  2.) das Gottesgedenken (Dhikr) Rhythmische Wiederholung des Namens Allah (z.B. 5000 X am Tag)  All diese Rituale sollen im Endeffekt dazu dienen, das das niedere Ich bzw. der Nafs hin zum Lichte Gottes gewendet wird.  Jeder Sufi muss auf dem Sufismus Pfad einige Stationen bestreiten. Die Sufis sehen diese Stationen auch als "Türen" auf dem Weg zu Gott, die sich aber nicht neben-, sondern hinter-, oder besser noch "ineinander" befinden. Man muss also erst eine Tür durchschritten haben, bevor man daran arbeiten kann, die nächste in Angriff zu nehmen.  Muhiddin Ibn Arabi beschreibt die vier Stationen folgendermaßen: 1.) Auf dem Niveau von SCHARI´A gibt es "dein und mein". Das heißt, dass das religiöse Gesetz individuelle Rechte und ethische Beziehungen zwischen den Menschen regelt.  2.) Auf dem Niveau von TARIQA "ist meins deins und deins ist meins". Von den Derwischen wird erwartet, dass sie sich gegenseitig als Brüder und Schwestern behandeln, den jeweils anderen an seinen Freuden, seiner Liebe und seinem Eigentum teilhaben lassen.  3.) Auf dem Niveau der Wahrheit (HAQIQA) gibt es "weder meins noch deins". Fortgeschrittene Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen. Diejenigen, die die Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht für Besitz und Äußerlichkeiten im Allgemeinen, Bekanntheit und gesellschaftlichen Stand inbegriffen.  4.) Auf dem Niveau der Erkenntnis (MA'RIFA) gibt es "kein ich und kein du". Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Dies ist das oberste Ziel des Sufismus.  Imam Gazali bezeichnet die Liebe zu Gott als die höchste der Stationen und sogar als das eigentliche Endziel der Stationen auf dem Weg zu Gott.  Er sagt, dass nur Gott allein der Liebe würdig ist; die Liebe zu Muhammed (Friede sei mit ihm) nennt er jedoch als lobenswert, weil sie nichts anderes ist, als die Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Gottesgelehrten und Frommen erwähnt er ebenfalls als lobenswert, denn "man liebt die jenigen, die den Geliebten lieben".

„Der Murid ist wie die Erde,

Alles Schlechte wird auf ihn geworfen,

Dennoch wächst aus ihm nur Schönes.

 

Er ist wie die Erdoberfläche,

Gutes und Schlechtes zertreten ihn.

 

Er ist wie die Sonne,

Die alles beleuchtet.

 

Er ist wie die Wolke,

Die alles überschattet.

 

Er ist wie der Regen,

Der alles bewässert.“

 



Sheikh Ahmed Yasin Yalcin

 
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