Sufizentrum Braunschweig
  Sufitum-ein Weg zum Himmel
 

 


Sufitum - ein Weg zum Himmel



Sein Wille oder unser Wille?
Darum sind wir Gläubige und glauben an unseren Schöpfer. Die erste Bedingung des Diener-Seins ist, sich den Anordnungen unseres Herrn zu ergeben. Danach müssen wir versuchen, uns Seinem Willen zu unterwerfen. Die meisten unterwerfen sich Seinen , aber es ist so schwierig, von unserem Wollen abzulassen und etwas davon um Seinetwillen zu opfern, denn ein wirklicher Diener muß den Befehlen seines Herrn aus Liebe folgen, nicht durch Zwang. Wer seinem Befehl unter Zwang folgt, ist ein Sklave; wer aus Liebe gehorcht, ist ein Diener. Zweifellos ist der Unterschied zwischen einem Sklaven und einem Diener sehr groß. Für einen Sultan sind sein Großwesir und sein Premierminister Diener. Aber er hat auch Sklaven zu Dienern, aber ein Sklave hat keine Ehre. Er handelt aus Angst vor seinem Herrn; denn wenn er keine Angst hätte, würde er weglaufen. Der Großwesir aber folgt den Befehlen des Sultan aus Liebe. Das gibt ihm Ehre und macht ihn vertrauenswürdig. Sklaven sind nicht vertrauenswürdig. Wenn wir also den heiligen Befehlen des Himmels aus Zwang gehorchen, dann ist unsere Stufe die eines Sklaven. Aber wenn wir aus Liebe gehorchen, sind wir Diener.

Sufismus - Bestandteil jeder Religion
In dieser Veranstaltung geht es um Sufitum, und auf der Ankündigung lautet das Thema "Schönheit als Weg zur Erkenntnis im Sufismus". Sufitum (sophi ways) findet man im Judentum, im Christentum und im Islam. Es gibt keine himmlische Religion ohne Sufismus, denn in der Religion geht es nicht nur um die physische Seinsebene. Alle Religionen brachten Gebote, in denen für das irdische Leben der Menschen Regeln aufgestellt wurden, die für Gerechtigkeit sorgen in unserem Umgang miteinander auf der materiellen Ebene. Aber es ist die wichtigste Mission aller Religionen, den Dienern dabei zu helfen, ihre göttliche Stellung in der Göttlichen Gegenwart einzunehmen. Denn der Mensch verlangt nach einer Verbindung zum Himmel.

Heimweh nach dem Himmel
Jeder schaut zum Himmel, bei Tag oder bei Nacht, und besonders nachts ist der Anblick des Himmels erhebend. Nicht der Körper, sondern die Seele fühlt sich von diesem großartigen Anblick angezogen. Ich glaube nicht, daß jemand diese Schönheit anschauen kann, ohne Sehnsucht nach ihr zu empfinden. Das heißt, daß wir tief in uns einen verborgenen Wunsch haben, der unsere Seele zu den Himmeln streben läßt. Und der Herr der Himmel, der den Menschen erschuf, weiß sehr wohl, wonach sich Sein Diener im Innersten sehnt. Wir sind Geschöpfe und haben etwas vom Himmel und etwas von der Erde. Mit der Erde verbindet uns das Stoffliche und mit dem Himmel die Seele. Und so wie jemand, der seit langem fern der Heimat ist und sich nach ihr zurücksehnt, so empfindet die Seele ein tiefes Heimweh nach ihrer eigentlichen Heimat, dem Himmel; und sie sucht nach einem Weg, zu dieser Heimat Verbindung aufzunehmen. Denn die Seele ist zu Hause in der geistigen Welt, in den Himmeln, und sie ist fortwährend auf der Suche nach dem Heimweg zu diesem himmlischen Ort. Und der Herr schickte Adam und Eva auf die Erde herab und sagte zu ihnen: "O Adam und Eva und ihr, die ihr deren Kinder seid, ich schicke euch nicht auf immer aus dem Paradies hinaus, sondern lasse die Tür zum Paradies geöffnet, und wenn jemand von euch hineinwill, ist er oder sie willkommen. Ich heiße meine Diener willkommen, nicht aber diejenigen, die Diener Satans sind."

Himmlische Kraftwerke
Darum entsandte Er von Zeit zu Zeit bestimmte Diener mit besonderen Befugnissen und von außerordentlicher und erhabener Wesensart: Ein Prophet kann sehen, was wir nicht sehen, hören, was wir nicht hören, wissen, was wir nicht wissen können. Er kann fühlen, was wir nicht fühlen, kann schmecken, was wir nicht schmecken und tun, was wir nicht können. Propheten sind keine gewöhnlichen Menschen. Wenn sie so wären wie alle, dann hätte das Prophetentum nicht diese Bedeutung. Sie sind auserwählte und geehrte Menschen, da sie Umgang mit himmlischen Wesen haben. Wir haben alle vom Erzengel Gabriel gehört, der - wie ein Botschafter - vom Herrn der Himmel zu Seinen Propheten ging. Aber "Botschafter" ist nicht ganz zutreffend, er war vielmehr ein Gesandter. Wenn der Erzengel Gabriel zu den Propheten kam mit einer Botschaft vom Himmel, dann wurden sie zu Gesandten. Wäre er nicht zu ihnen gekommen, dann hätten sie keine Verbindung zum Himmel gehabt. Ihre Wesensart ist so kraftvoll. Wenn man 200 Volt Elektrizität in etwas hineingibt, was nur für 100 Volt gemacht ist, dann verbrennt es. Darum ist keiner von uns dafür geschaffen, dem Erzengel Gabriel zu begegnen. Aber jene besonderen Menschen können die göttliche "Elektrizität" verkraften, sie sind Kraftwerke des Himmels auf der Erde, und wenn jemand himmlischen Strom braucht, kann er sich an sie anschließen und auftanken.

Das spirituelle Protokoll
Alle Religionen und alle Propheten sind Führer zum Himmel, und alle Propheten, die dieses Leben verließen, haben ihren himmlischen Ort erreicht. Sie hinterließen uns ihre Weisheit und ihren Lebenswandel, und wer spirituell vorankommen und ihre geistige Stufe im Himmel erreichen möchte, der mag ihrem Weg folgen. Jeder hat die Möglichkeit hierzu, der in die Göttliche Gegenwart des Herrn der Himmel eintreten möchte, und es ist nicht so schwierig wie bei unseren Königen hier, denen man sich nur unter Einhaltung des Protokolls nähern darf. Diese Protokolle braucht Er nicht; wenn Sein Diener zu Ihm möchte, ist er willkommen. Das Protokoll besteht darin, den Fußstapfen von spirituellen Menschen und von Heiligen zu folgen. Wer sich nur für das Diesseits interessiert, für Essen, Trinken und Tanzen, für körperliche Vergnügen, der ist auf der niedrigsten Stufe der Schöpfung, nämlich auf der animalischen Stufe, die die unterste ist. In der Welt der Tiere gibt es ja nichts außer Essen, Trinken und "Tanzen". Beim Menschen kommt dann noch hinzu, daß er Kleidung, Häuser, Autos, Flugzeuge, Schlösser, Juwelen und solche Dinge braucht. Darum müssen wir versuchen, von dieser untersten Stufe wegzukonmmen, um die Stufe der himmlischen Wesen zu erreichen, weil wir die Ehre bekommen haben, himmlische Wesen zu sein. Wir versuchen darum, zu helfen, sei es auch nur einigen wenigen, indem wir ihnen einen Weg bereiten, auf dem sie zu ihrer wirklichen, himmlischen Stufe gelangen können. Ich bin einer von ihnen, von jenen Helfern, aber ich bin nur ein kleiner Lehrer.

Freiheit und Depression
Ich denke, wir haben genug gesagt zu den Menschen, wenn sie die Realitäten akzeptieren, die aus dem Himmel zu den Menschen gekommen sind. Wir wollen nur Interesse für das Spirituelle in ihnen wecken, weil die meisten sich jetzt nur für ihre körperliche Seite und deren Wünsche interessieren und absolute Freiheit fordern; mehr und mehr versuchen sie, ihre physischen Begierden weitestgehend zu befriedigen. Das heißt: Freiheit für ihre Wünsche, während ihre Seele im Gefängnis ist. Je größere Freiheit man dem physischen Verlangen gibt, umso größer wird der Druck, der auf der Seele lastet, und dieser immer größer werdende seelische Druck ist einer der Hauptgründe für Depressionen, bei Frauen und Männern. Warum gibt es immer mehr Psychiater? Weil so viele Menschen Depressionen haben. Sie gehen zum Arzt und sagen, sie sind krank. Und wenn dieser dann alle möglichen Untersuchungen durchgeführt hat, findet er nichts und sagt: "Körperlich sind Sie ganz gesund." Der Patient fragt sich dann, wie das möglich ist, weil er sich ja krank fühlt. Aber der Grund dafür ist der Druck, der auf der Seele lastet und der die Seele be-"drückt". Und es ist der Wunsch nach Freiheit, der den Menschen unglücklich macht und die Störung verursacht. Wenn die Menschen diesen Irrweg nicht bald verlassen, dann wird die ganze Menschheit womöglich verrückt werden, und jeder wird sich in einer merkwürdigen Verfassung befinden.

Die Rechte der Seele
Darum müssen wir ein Gleichgewicht halten: In dem Maße, wie wir uns körperliche Freuden gönnen und unsere physischen Anteile ausleben, so müssen wir auch der Seele ihr Recht geben - nämlich das Recht zu dienen -, indem wir versuchen, jeden Tag etwas vom Dienst an unserem Herrn auszuüben und uns so beleben und erfrischen. Auf diese Weise wird das Leben wiederbelebt. Möge Allah uns segnen und uns helfen, hierüber nachzudenken. Dies ist ein sehr wichtiges Thema im Leben des Menschen, denn die Unruhen und Probleme nehmen jeden Tag zu, da der Friede unseren Erdball verläßt. Wem es gelingt, die Richtung zu ändern und ein gesundes Gleichgewicht herzustellen zwischen seinem spirituellen und seinem physischen Leben, der ist in Sicherheit. Man braucht für alles einen Lehrer, und es gibt sehr viel zu lernen für den Weg zum Himmel. Ihr müßt euch einen von den spirituellen Lehrern suchen, jemanden mit "himmlischer Autorität". Von ihnen können wir das lernen, was wir brauchen. Sie sind schwer zu finden, aber wenn man es sich vornimmt, muß man zu einem von ihnen gelangen. Vielleicht ist er ein ganz einfacher Mensch und unscheinbar, jemand, der nicht durch seine Erscheinung zu verstehen gibt, daß er ein Meister ist. Manchmal findet man unter den Menschen Schätze, verborgene Schätze, wie man sie oft in Ruinen findet. Niemand käme auf die Idee, in einem Hochhaus nach Schätzen zu suchen, wohl aber in einer zerfallenen alten Ruine. Das Äußere ist also nicht wichtig; jeder kann euch Weisheit geben. Wenn du von jemandem Weisheit bekommst, dann halte fest an ihm, denn Weisheit ist ein Schatz.

Geistige Verbindungen
Möge Allah euch segnen, und danke für eure Aufmerksamkeit. Wir haben uns verspätet, und nun ist es schon fast zwölf Uhr. Unsere Rede dauert schon vierzig Minuten, und keine Schule oder Universität hält ihre Schüler länger fest. Ich bin unseren verehrten Zuhörern sehr dankbar, daß sie mir ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt haben; sie haben mir ihre volle Konzentration gegeben, ohne sich im geringsten ablenken zu lassen. Das bedeutet, daß sie mit der Seele dabei waren, und dann ist meine Seele mit ihnen. Ich habe die Erlaubnis vom Himmel, ihnen zu helfen, hier und hiernach, im Diesseits und Jenseits. Wenn ich ins Paradies komme, werde ich nach ihnen Ausschau halten, und auch sie mögen dies tun, wenn sie ins Paradies kommen. Dieser hier ist Engländer, dieser Deutscher, dieser Spanier, dieser ist Holländer, jener aus dem Kaukasus, dort drüben sitzen Engländer, Spanier... Das bedeutet, daß die Menschen seelisch verbunden sind, und die Unterschiede, die sich durch Rasse, Nation oder Glauben ergeben, sind nicht wichtig. Die Liebe zu unserem Herrn bringt uns alle zusammen; der Respekt bringt uns zusammen, das Erbarmen bringt uns zusammen. Ich laufe ihnen nicht hinterher, sie kommen zu mir. Und es ist der Herr, der mich hierhin und dorthin bringt und mich zu eurem Diener macht, damit ich euch in Seine Göttliche Gegenwart führen kann. Nur Er ist Herr.

Jenseits der Phantasien
Versucht bitte, euren Geist von Phantasien und Vorstellungen fernzuhalten und zu reinigen, denn die Wirklichkeit ist keine Phantasie. Was wir brauchen, ist Realität, keine Phantasien; die Wirklichkeit ist immer jenseits unserer Vorstellungskraft. Alles, was euch über den Herrn in den Sinn kommt, habt ihr selbst erschaffen, aber Er ist jenseits dieser Vorstellung. Dies ist der erste Schritt, um mehr über seinen Herrn zu erfahren. Der Herr läßt sich nicht auf einer Postkarte festhalten, das ist unmöglich. Darum müssen wir unser Ego dazu zwingen, die Realität zu akzeptieren und jene Wahrheiten anzunehmen, die im Alten Testament, im Neuen Testament und im Heiligen Koran enthalten sind. Seid keine Fanatiker. Wenn die Wahrheit kommt, müssen wir sie annehmen. Unser Geist muß frei sein. Was gut ist, ist für uns; was schlecht ist, ist nicht für uns. Ich bedanke mich bei meiner Gastgeberin.

 
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