Sufizentrum Braunschweig
  Karoline von Günderrode
 



Karoline von Günderrode


Karoline von Günderrode wurde am 11. Februar 1780 in Karlsruhe als ältestes Kind eines badischen Regierungsrates geboren. Sie verlor ihren Vater, den Hofrat und Schriftsteller Hector Wilhelm von Günderrode, im Alter von sechs Jahren. Die Mutter, Luise Sophie Victorie Auguste Henriette Friedrike von Günderrode (1759–1819) zog daraufhin mit ihren fünf Töchtern und ihrem Sohn nach Hanau. Die Familie Günderrode gehörte seit dem 16. Jahrhundert zu den führenden Patriziergeschlechtern von Frankfurt am Main, die sich in der Ganerbschaft Alten Limpurg zusammengeschlossen hatten. Karolines Bruder war der spätere Senator und Ältere Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt, Friedrich Carl Hector Wilhelm von Günderrode. Die Günderrodes schrieben sich stets mit doppeltem „r“, was später gelegentlich missachtet wurde (daher die häufig zu lesende Namensform Günderode) und erst seit den 1970er Jahren wieder Eingang in die Literatur fand.


Damals schuf Goethe auch sein wundervolles Preislied «Mahomets Gesang», die erste Verherrlichung des Propheten Mohammed durch einen europäischen Dichter. Ähnlich ernst nahm Karoline von 
Günderrode «Mahomets Traum in der Wüste» in ihrem gleichnamigen Gedicht. Die Günderrode lässt den Propheten bitten: «Der Gottheit Macht, / Zerreisse die Nacht / Des Schicksals, vor meinen Blicken! / Sie lasse mich die Zukunft sehen, / Ob meine Fahnen siegreich wehen? / Ob mein Gesetz die Welt regiert?» Und ihm wird Antwort von oben zuteil: «Von Sternen herab / Zum Seher hinab / Ertönt nun eine Stimme: ‹Verkörpert hast du hier gesehen / Was allen Dingen wird geschehen / Die Weltgeschichte sahst du hier. / Es treibet die Kraft / Sie wirket und schafft, / In unaufhaltsamem Regen: / Was unrein ist das wird verzehret, / Das Reine nur, der Lichtsstoff, währet / Und fliesst dem ew'gen Urlicht zu.›» Die zu Unrecht vergessene Günderrode starb 1806.


Mahomets Traum in der Wüste

 

Bei des Mittags Brand,

wo der Wüste Sand

kein kühlend Lüftchen erlabet,

wo heiß, vom Samum nur geküsset,

ein grauer Fels die Wolken grüßet,

da sinket müd der Seher hin.

 

Vom trügenden Schein

will der Dinge Sein

sein Geist, betrachtend hier, trennen.

Der Zukunft Geist will er beschwören,

des eigenen Herzens Stimme hören,

und folgen seiner Eingebung.

 

Hier flieht die Gottheit,

die der Wahn ihm leiht,

der eitle Schimmer zerstiebet.

Und ihn, auf den die Völker sehen,

den Siegespalmen nur umwehen,

umkreist der Sorgen dunkle Nacht.

 

Des Sehers Traum

Durchflieget den Raum

Und all die künftigen Zeiten.

Bald kostet er, in trunknem Wahne,

die Seligkeit gelungener Plane,

dann sieht er seinen Untergang.

 

Entsetzen und Wut,

mit wechselnder Flut,

kämpfen im innersten Leben,

„Von Zweifeln“ ruft er, „nur umgeben,

verhauchet der Entschluss sein Leben,

eh Reu ihn und Misslingen straft!

 

Der Gottheit Macht

zerreiße die Nacht

des Schicksals vor meinen Blicken!

Sie lasse mich die Zukunft sehen,

ob meine Fahnen siegreich wehen,

ob mein Gesetz die Welt regiert!“

 

Er spricht’s; da bebt

Die Erde, es hebt

die See sich auf zu den Wolken.

Flammen entlodern den Felsenklüften,

die Luft, erfüllt von Schwefeldüften,

lässt träg die müden Schwingen ruhn.

 

 

 

Im wilden Tanz

umschlingt der Kranz

der irren Sterne den Himmel.

Das Meer erbraust in seinen Gründen,

und in der Erde tiefsten Schlünden

streiten die Elemente sich.

 

Und der Eintracht Band,

das mächtig umwand

die Kräfte, es schien gelöset.

Der Luft entsinkt der Wolkenschleier,

und aus dem Abgrund steigt das Feuer

und zehret alles Ird’sche auf.

 

Mit trüberer Flut

steigt erst die Glut,

doch brennt sie sich stets reiner,

bis hell ein Lichtmeer ihr entsteiget,

das lodernd zu den Sternen reichet

und rein und hell und strahlend wallt.

 

Der Seher erwacht

wie aus Grabesnacht,

und staunend fühlt er sich leben.

Erwachend aus dem Tod der Schrecken,

harrt zagend er, ob nun erwecken

ein Gott der Wesen Kette wird.

 

Von Sternen herab

Zum Seher hinab

Ertönt nun eine Stimme:

„Verkörpert hast du hier gesehen,

was allen Dingen wird geschehen,

die Weltgeschichte sahst du hier.

 

Es treibet die Kraft,

sie wirket und schafft

in unaufhaltsamem Regen.

Was unrein ist, das wird verzehret,

das Reine nur, der Lichtstoff, währet

und fließt dem ew’gen Urlicht zu.“

 

Jetzt sinket die Nacht,

und glänzend ertagt

der Morgen in seiner Seele.

„Nichts“ ruft er, „soll mich mehr bezwingen:

Das Licht nur werde, sei mein Ringen,

dann wird mein Tun unsterblich sein!“






Das Gebet des Propheten Muhammed ( Segen und Friede auf ihm)

am Ende des Theaterstückes „Mahomed, der Prophet von Mekka“

von Karoline von Günderode (1780 – 1806)

 

„O Allah! Sey gepriesen, dass Du uns bis hierher geleitet hast mit Deiner  Kraft,

 

dass Du Deinen Propheten verherrlichst vor den Völkern der Erde,

 

Du hast zum Schicksal gesagt: Diene ihm!

 

Und zu dem Sieg: Tritt zu seiner Seite! –

 

Du hast den Islam ausgerüstet mit dem Mark des Löwen, mit dem Schwerte des Cherubim, und zu ihm gesprochen:

 

Geh! Durchwandle siegreich die Erde vom äußersten Westen, wo die Sonne untergeht in einem Meer von Dunkelheit, bis zu den Völkern des Osten,

 

denn Du bist der Überwinder, von dem geschrieben ist:

 

Er wird sich den Aufgang unterwerfen und den Niedergang.



Ahmad Krusch

Wikipedia
Islamische Zeitung 08.03.2007
 

 

 
  Gesamt: 651228 Besucher