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  Shah Naqshband-1.Teil
 



Sheikh Muhammed Bahauddin Shah Naqshband
Möge Allah seine Seele heiligen

1.Teil





Muhammed Bahauddin Shah Naqshband ist der Imam des Naqshbandi Sufi Ordens – ein seltener Gelehrter der ilm ash-shariah, der Wissenschaft des göttlichen Gesetz, und der ilm al-haqiqat, der Wissenschaft der Wahrheit. Er wurde als als Dhul-Janahayn, „Der mit den beiden Flügeln“ bezeichnet, aufgrund seines Fassungsvermögens zweierlei Arten des Wissens: eines das er mit allen teilte und ein weiteres, welches er für seine Weggefährten aufbewahrte. Auch gilt er als der Sultan al-Arifin, „Der König der Kenner Gottes“.

Shah Naqshband, ein unendlicher Ozean des Wissens. Seine Wellen waren geschmückt von den Perlen des himmlischen Wissens. Seine Spirituelle Energie stillte den Durst der Seelen. Die ganze Welt war von ihm umschlossen. Er war ein Stern gekrönt mit der Rechtleitung. Durch seinen heiligen Atem segnete er ausnahmslos jedes Geschöpf. Selbst die entfernteste Stelle des Universums schmückte er mit dem Geheimnis von „Muhammedun Rasul Allah “.

Dunkelheit ward durch sein Licht zu Licht geworden. Seine außergewöhnlichen Aussagen beseitigten jeglichen Zweifel. Herzen wurden durch seine kraftvollen Wunder wieder belebt und die Seelen wurden aus dem spirituellen Reich versorgt. Als kleines Kind in der Wiege wurde er mit der Stufe des Erzfürsprechers gestillt. Er kostete den Nektar des ungesehenen Wissens aus dem Becher der Wahrheit. Wäre Muhammed nicht der Siegel der Propheten gewesen, so wäre sicherlich er ihrer letzter gewesen. Lobpreis dem Herrn, dass er die Welt mit solch einem Bekräftigter der Religion begnadigte. Herzen wurden durch ihn erleichtert, sodass sie in die Himmel der Spiritualität emporstrebten.

Könige mussten vor seiner Türe warten. Seine Rechtleitung reichte von Nord nach Süd und von Ost nach West. Keinem Geschöpf entsagte er die himmlische Unterstützung – sei es auch das wildeste Biest des Dschungels gewesen. Der großartigste Erzfürsprecher, der Sultan der Heiligen, das Kollier aller spirituellen Perlen, die von der göttlichen Gegenwart auf diese Welt hinabgesandt worden waren. Durch sein Licht wurde Gutes perfekt und Schlechtes gut. Der Meister dieses Weges, der Sheikh der Goldenen Ketten, und der beste, der das Erbe der Khawajagan in sich trug.

Er kam im Monat Muharrem im Jahre 717 n.H./1317 n.Chr auf die Welt, in dem Dorfe Qasr al-Arifans, nahe Bukhara. Gott begandete ihn schon in seiner Kindheit mit wundervollen Kräften. Sein erster Lehrer, Sayyid Muhammed Baba as-Samasi, weihte ihn in die Geheimnisse des Weges ein. Das Geheimnis des Ordens empfing er dann von seinem Sheikh, Sayyid Amir Kulal. Auch gehörte er der Uwaysi Verbindung zum Propheten an und wurde so in der spirituellen Gegenwart Abd al-Khaliq al-Ghujdawanis großgezogen, der 200 Jahre vor ihm gelebt hatte.

Befragung durch den Propheten Moses
Sheikh Sharafuddin ad-Daghistani berichtet von der hadith: „Wann immer der Name Gottes Heiliger erwähnt wird, so erreicht Seine Barmherzigkeit diese Zusammenkunft“.
Die Quelle dieser Barmherzigkeit wurde GroßSheikh Sharafuddin ad-Daghestani und Großsheikh Abd Allah al-Faiz ad-Daghestani (das 38ste und 39ste Glied der Goldenen Kette) während ihrer Abgeschiedenheit durch den Propheten beschrieben. Sheikh Sharafuddin erklärt daher: „Wenn von dem Leben der Heiligen berichtet wird, so werden die Sünden des Zuhörers so wie das Glas zerschellen“

Der große Gelehrte, ibn Hajar al-Haytami, pflegte tagelang zu reisen, um den Geschichten der Naqshbandi Sheikhs lauschen zu dürfen. Eine dieser Geschichten handelt von Shah Naqashband.

Es wird überliefert, dass Shah Naqashband, als er das Alter von sieben Jahren erreichte, in die spirituelle Gegenwart aller Propheten Gottes, einschließlich des Propheten Muhammed , gerufen wurde. In der spirituellen Gegenwart gibt es kein Alter Es spielt keine Rolle, was zählt ist die Seele. Das ist der Grund warum ihm diese edle Versammlung schon bei so einem jungen Alter gewährt wurde.

Shah Naqshband war einmalig. Keiner der Naqshbandis seiner Zeit konnte auch nur im Geringsten seinem spirituellen Rang gleich kommen. So fragte ihn in jener Versammlung der Prophet Moses: „O fard al-alam! (Shah Naqshbands Titel, „Der Heilige ohne Gleichen auf der Welt“) Wann wurdest du zu einem Führer der Menschheit erkoren?“
Shah Naqshband antwortete: „Ich war solch ein Meister (murshid) als die Heiligen noch in völliger Nichtexistenz waren.“ Das heißt, er war ein Führer, bevor Gott die Heiligen erschaffen hatte. Bei seiner Antwort bezog er sich jedoch nicht auf seine physische Erschaffung, sondern auf das Geheimnis des Propheten , das ihm zu solch einem präelementaren Zeitpunkt übergeben worden war.

Daraufhin sagte Prophet Moses: „Erzähl weiter; wir wollen mehr erfahren.“
Aus Ehrfurcht gegenüber Abu Bakr as-Siddiq und aus Respekt vor dem Propheten, verblieb Shah Naqshband still und Abu Bakr antwortete für ihn: „O Moses, als er zu dir sprach, so sprach er von der Stufe, die er vom Propheten Muhammed geerbt hatte. Er antwortete dir gemäß des Geheimnisses dieser Stufe.“ Dann schaute Abu Bakr auf Shah Naqshband und gab ihm die Erlaubnis die Fragen zu erwidern.
Shah Naqshband fuhr fort: „Am Tage des Versprechens als Gott fragte: „Bin ich nicht euer Herr?“ (7:172), war ich ein Auserwählter bevor überhaupt die Heiligen mit ihrem Heiligtum begnadigt wurden und der Herr gewährte mir bereits nach meinen Anhängern zu schauen und mich um sie zu kümmern, als die Heiligen noch im Nichts waren.
Prophet Moses , bat ihn, weiter zu berichten.
Shah Naqshband sagte: „Ich wurde schon vor jedem Heiligen des Naqshbandi Ordens mit meinem Heiligtum versehen, als ich in der Welt der Atome war (al-alam al-dharr, zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Menschen noch in der Essenz ihrer Wirklichkeiten). Gott erschuf mich 20,000 Jahre vor allen anderen Naqshbandi Heiligen und ich befand mich in der Obhut des Propheten . Dann erst erschuf Gott die anderen Heiligen und sie erschienen nach 17,000 Jahren. Es herrscht ein Unterschied von 10,000 Jahren zwischen dem Erscheinen meiner Realität und ihrer. Das ist, was ich anfangs beabsichtigte zu sagen.“
All das geschah als Shah Naqshband gerade mal sieben Jahre jung war und diese Versammlung in der Gegenwart der Gesandten, der Gefährten und der Heiligen sollte nicht die einzige bleiben, die er erleben sollte.

Gott schmückte Shah Naqshband mit 12,000 spezifischen Besonderheiten. So ist zum Beispiel eine seiner gewöhnlichen Eigenschaften, dass er seine Blick alle 24 Stunden im ganzen Universum 363 Mal auf jedes Geschöpf richten kann und all ihre Angelegenheiten wahrnimmt. Dies ist eine Besonderheit, die noch zu den gewöhnlicheren gehört. Außerdem ist er im Stande, jeden Säugling im Leibe der Mutter zu beobachten.

Während seinem ersten Besuch bei den Propheten betete er wie folgt: „O mein Herr, entsage keinem der mich als seinen Führer angenommen hat und jenen, die nach mir in dieser spirituellen Kette kommen, Deine Unterstützung.“ Die Engel und die Himmel riefen aus: „Amin.“

Großsheikh Daghestani erklärt, dass der Segen und der Schutz dieses Bittgebetes sich viermal im Jahr manifestiert und die spirituellen Anhänger Shah Naqshbands erreichen am 14en des Muharram (Shah Naqshbands Geburtstag), am ersten Tag des Ramadan, am 15en des Ramadan und in der Nacht der Macht (Laylat al-Qadr). Wer den Naqshbandi Weg annimmt wird von allen Seiten beschützt sein.

Als Gott die Heiligen nach 17,000 Jahren erschaffen hatte, kamen sie in die Welt der Essenz. Sie sprachen zu der Essenz von Shah Naqshband und baten ihn, um des Propheten Muhammed Willen, in den Naqshbandi Orden aufgenommen zu werden. Er nahm 7,007 unter ihnen an und jeder von ihnen sollte im Stande sein 12,000 Arten des Wissens aus jedem Buchstaben des Qurans entnehmen zu können. Dann bat er den Propheten um Erlaubnis, sie aufnehmen zu dürfen. Der Prophet schaute auf ihn und erhöhte seine Stufe um jeden Buchstaben des Quran mal den 12,000 Arten des Wissens und den 7,007 Heiligen.

Wir sagen es gibt 70,000 Schleier der Finsternis zwischen uns und der Gegenwart des Propheten . Je näher du dem Propheten kommst, desto entfernter wirst du dich von ihm, für jeden entschleierten Schleier, fühlen. Denn je mehr du dich ihm näherst, wird die Intensität deiner Liebe (ishq) die Sehnsucht nur noch verschlimmern.
Darüber verkündete Shah Naqshband folgendes: Wenn Heilige zur Gegenwart des Propheten voranschreiten und diese Schleier zerreißen, so werden 700,000 zusätzliche Schleier erscheinen. Ich erreichte Dimensionen, wo niemand zuvor gewesen war.

Der Anfang seiner Rechtleitung und die Rechtleitung seines Anfangs
Shah Naqshband war gerade achtzehn als sein Vater ihn nach Samas schickte, zu Diensten des Sheikhs Muhammed Baba as-Samsi, der nach ihm gefragt hatte. Seit dem Beginn seiner Gefolgschaft mit dem Sheikh, nahm er zahllose Veränderungen in sich wahr, einschließlich des inneren Rufes nach wahrhaftiger Aufrichtigkeit und Hingabe. Von seiner Jugend berichtet er: Ich stand früh auf, drei Stunden vor dem obligatorischen Morgengebet, machte meine Waschung und nachdem ich meine Sunnah Gebete verrichtete hatte, warf ich mich vor dem Herrn nieder, folgendes betend: „O mein Herr, gib mir die Kraft die Schwierigkeiten und den Schmerz deiner Liebe ertragen zu können.“ Dann verrichtete ich das Morgengebet mit dem Sheikh.

Eines Tages schaute er auf mich und sagte, als sei er während meiner Bittgebete bei mir gewesen: „O mein Sohn, ändere dein Gebet. Sage lieber: ‹O Gott, begnadige diesen schwachen Diener mit Deinem Wohlgefallen.›, Der Herr mag es nicht seine Diener in Schwierigkeiten zu sehen. Obwohl Gott in Seiner Weisheit von Mal zu Mal Seine Diener mit Schwierigkeiten versieht, um sie zu testen, so sollte man jedoch nicht um diese Schwierigkeiten beten, denn das zeugt nicht von Respekt vor deinem Herrn.“

Als Sheikh Muhammed Baba as-Samasi von dieser Welt schied, brachte mein Großvater mich nach Bukhara, wo ich heiratete. Ich lebte in Qasr al-Arifan, was ein besonderer Segen Gottes war, denn ich lebte nahe Sayyid Amir Kulal. Ich war in seinem Dienste und er erzählte mir das Sheikh Muhammed Baba as-Samasi zu ihm gesagt hatte: „Ich werde nicht mit dir zufrieden sein, ehe du nicht für ihn gesorgt hast.“

Eines Tages saß ich mit einem Freund in der Abgeschiedenheit, als sich der Himmel spaltete und mich eine überwältigende Vision überkam: „Reicht es dir nicht aus, alleine in Unsere Gegenwart zu kommen?“
Ich erschauerte am ganzen Körper und rannte aus diesem Haus. Ich erreichte einen Fluss, warf mich in ihn hinein, wusch meine Kleider und betete zwei rakats, wie ich sie zuvor noch nie verrichtet hatte. Ich fühlte mich in der göttlichen Gegenwart. In einem Zustand der Entschleierung wurde mir alles in meinem Herzen geöffnet. Das ganze Universum verschwand und ich war mir keiner Sache mehr bewusst außer des Gebetes in Seiner Gegenwart.

Am Anfang jener besonderen Zustände wurde ich gefragt:
„Warum willst du diesen Weg beschreiten?“
„Darum, damit all das geschieht, was ich sage und was ich will.“
„Das wird nicht sein. Was Wir sagen und was Wir wollen wird sein.“
Ich erwiderte: „Das kann ich nicht tun. Mir muss gewährt werden, dass das, was ich sage, geschieht.“
Erneuert antwortete man: „Nein, Was wir sagen, wird geschehen.“ „Was ich sage und was ich tue muss sein.“
Als ich diese Worte von mir gab überkam mich fünfzehn Tage solch eine Einsamkeit, dass mich enormer Trübsal erdrückte.
Schließlich hörte ich eine Stimme: „O Bahauddin, was immer du willst, Wir werden es dir gewähren.“
Außerordentliche Freude ergriff mich.
ch sagte: „Mir soll ein Weg geschenkt werden, sodass jeder, der ihn beschreitet, geradewegs in die göttliche Gegenwart befördert wird.“ Ich erfuhr eine überwältigende Vision:
„Dein Belieben soll dir erfüllt sein.“

Über sein Voranschreiten auf dem Weg
Shah Naqshband erzählt: Einmal ergriff mich die göttliche Anziehung und nahm mein Bewusstsein hinweg – sie ließ mich einmal nach hier und einmal nach dort taumeln. Als die Dunkelheit einbrach, waren meine Füße schon blutig von Dornen geworden, die in seinen Füßen steckten. Diese göttliche Manifestation führte mich zum Haus meines Sheikhs, Sayyid Amir Kulal.
Die Nacht war rabenschwarz, ohne auch das geringste Anzeichnen von Erhellung durch Mond oder Stern. Ein eisigkalter Wind wehte und ich hatte nichts als nur einen alten Lederumhang. Als ich an seinem Haus ankam, sah ich wie er mit seinen Freunden da saß.
Er sah mich kommen und forderte seine Schüler auf: „Schafft ihn fort; ich will ihn nicht in meinem Haus sehen.“

Sie warfen mich vor die Tür und ich fühlte wie mein Ego versuchte, mein Herz einzunehmen und mein Vertrauen in den Sheikh zu vergiften. Jetzt gab es nur noch Gottes Fürsorge und Seine Barmherzigkeit, die es mir ermöglichen konnte diese Demütigung vor Gott und meinem Sheikh zu verkraften.
Ich sagte zu meinem Ego: „Ich werde dir nicht erlauben mein Vertrauen in meinen Sheikh zu vergiften.“

Ich fühlte mich dermaßen erschöpft und niedergeschlagen, dass ich nun das Gewand der Demut an die Türe des Stolzes setzte – meinen Kopf gegen die Türschwelle legend und den Eid aussprechend, dass ich ihn erst dann wieder erheben werde, wenn er mich wieder angenommen hat. Der Schnee begann zu fallen und die eiskalte Luft ließ meine Knochen erschauern. Es gab nicht einmal den Wärme spendenden Mond. Ich wäre erfroren, hätte es nicht die Liebe meines Herzens für das Göttliche und für die Pforte zum Göttlichen, meinen Sheikh, gegeben.

Der Morgen brach an und der Sheikh kam ohne mich physisch zu sehen aus seinem Haus. Sein Fuß berührte meinen Kopf, der immer noch auf seiner Schwelle lag. Als er meinen Kopf gespürt hatte, zog er sofort seinen Fuß zurück und brachte mich in sein Haus.
„O mein Sohn, du wurdest soeben mit dem Kleid der Glückseligkeit bekleidet. Mit solch einem Gewand, das weder meinem Meister noch mir gewährt worden war. Gott ist glücklich mit dir. Der Prophet ist glücklich mit dir. Alle Sheikhs der Goldenen Kette sind glücklich mit dir.“

Daraufhin entfernte er mit großer Fürsorge die Dornen von meinem Fuß und wusch meine Wunden. Zugleich strömte Wissen, deren gleichen ich noch nie zuvor erfahren hatte, in mein Herz.
Dies eröffnete mir eine große Vision und ich wurde in das Geheimnis von „Muhammedun Rasul Allah“ eingeweiht. Ich sah wie ich dieses Geheimnis, welches die Wirklichkeit Muhammeds ist, betrat.
Weiter schritt ich voran in das Geheimnis von „la ilaha ill-Allah“, welches das Geheimnis der Einzigartigkeit Gottes ist.
Dies wiederum führte mich in die Geheimnisse der Namen Gottes und Seiner Attribute, die durch das Geheimnis Seiner Einheit ausgedrückt werden.
All das kann nicht in Worte gefasst werden, sondern es bedarf der Erfahrung des Herzens.

Am Anfang meiner Wanderung auf dem Weg, zog ich von einer Vorstadt Bukharas zur anderen. Ich besuchte in der Finsternis der Nacht Gräber, um von ihnen zu lernen, vor allem in der Winterzeit. Eines Nachts führte mich der Weg zu Sheikh Ahmed al-Kashgari und ich rezitierte die Surat al-Fatiha für ihn. Als ich dort ankam, erwarteten mich zwei Männer mit Pferden, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Sie platzierten mich auf das Pferd und banden zwei Schwerter um mich. Sie ließen das Pferd zum Grabe Sheikh Mazdakhins galoppieren.

Wir kamen an und betraten das Grabmal und die Moschee des Sheikhs. Ich setze mich ’gen die qiblah, meditierend, mein Herz mit dem Herzen meines Sheikhs verbindend. Während dieser Meditation offenbarte sich mir eine Vision und ich sah wie die Wand, die zur qiblah hin gerichtet war, zerbröckelte. Ein großer Thron erschien. Ein riesiger Mann, den keine Worte beschreiben können, saß auf diesem Thron.
Ich fühlte, dass er mir vertraut war.
Wohin ich auch mein Antlitz im Universum wendete, so sah ich diesen Mann.
Um ihn waren viele versammelt, darunter auch meine Sheikhs, Sheikh Muhammed Baba as-Samasi und Sayyid Amir Kulal. Ich verspürte Ehrfurcht als auch Zuneigung.
Ich fürchtete seine erhabene Gegenwart und bewunderte seine Schönheit. „Wer ist diese Persönlichkeit?“

Ich hörte eine Stimme antworten: „Diese Persönlichkeit ist derjenige, der dich auf deinem spirituellen Weg großgezogen hat, und er ist zugleich dein Sheikh. Er schaute nach deiner Seele, als du noch ein Atom in der Göttlichen Gegenwart warst. Du wurdest unter seiner Obhut trainiert. Er ist Sheikh Abd al-Khaliq al-Ghujdawani, und die Versammlung, die du um ihn herum siehst, sind seine Kalifen, die sein großes Erbe der Goldenen Kette weiter tragen.“

Daraufhin zeigte der Sheikh, der mir geantwortet hatte: „Das ist Sheikh Ahmad. Das ist Kabir al-awliya. Hier ist Arif Riwakri. Dort ist Sheikh Ali Ramitani. Und dein Sheikh, Muhammed Baba as-Samasi, der, dir seinen Umhang gegeben hatte. Kannst du dich erinnern?“
Ich sagte Ja. „Den Umhang, den er dir vor langem gegeben hatte, ist immer noch in deinem Haus und aufgrund seines Segens hat Gott dich vor viel Leid des Lebens bewahrt.“
Eine anderer Sheikh sagte: „Der Sheikh, der auf dem Thron sitzt, wird dich etwas lehren, das du bei der Reise auf diesem Weg gebrauchen wirst.“ Ich fragte, ob ich nicht mit ihm Hände schütteln könnte. Sie erlaubten es mir und ich nahm seine Hand. Dann berichtete er mir von der Reise, seinem Anfang, der Mitte und dem Ende. „Du musst den Docht an dich anpassen, so dass das Licht des Ungesehenen sich in dir stärkt, damit seine Geheimnisse wahrgenommen werden können. Du musst Standhaftigkeit erbringen und an dem Göttlichen Gesetz in allen Zuständen festhalten. Du musst „das Gute gebieten und das Schlechte verbieten“ (3:110, 114) und dich an der höchsten Moral des göttlichen Gesetzes festklammern.“

Er fuhr fort: „Du musst Faulheit scheuen, die da gewesene Formen verwerfen und die Tradition des Propheten zu deiner qiblah machen. Erforsche sein Leben und das Leben seiner Gefährten. Ermuntere Menschen den Qur›an zu befolgen und ihn sowohl am Tage als auch in der Nacht zu rezitieren, und alle vorgeschriebenen Gebete mit all den freiwilligen Zusätzen einzuhalten. Vernachlässige nicht das Geringste, von dem was uns durch den Propheten an guten Werken gezeigt wurde.“

Sobald Abd al-Khaliq zu Ende gesprochen hatte, erklärte mir einer seiner Kalifen: „Damit du dieser Vision sicher sein kannst, wird er dir ein Zeichen senden. Gehe morgen Mawlana Shamsuddin al-Ambikuti besuchen, der zwischen zwei Leuten ein Urteil fällen wird. Sag ihm, dass derjenige namens „at-Turki“ Recht hat und „as-Saqqa“ lügt. Verkünde ihm, dass er zwar „as-Saqqa“ begünstigt, jedoch sich darin irrt. Er solle sich besinnen und für „at-Turqi“ plädieren.
Sollte as-Saqqa das, was du sagst, leugnen und der Richter immer noch as-Saqqa begünstigen, so berichte ihnen, dass du zwei Beweise hast. Zunächst wirst du as-Saqqa sagen, er sei durstig, welches er sofort verstehen wird. Dann wirst du preisgeben, er habe mit einer Frau geschlafen, welche schwanger wurde und deren Kind, er dann im Weinstock begraben hat.“
Auf deinem Weg zum Gericht, nimm drei Rosinen mit und besuche deinen Sheikh, Sayyid Amir Kulal. Du wirst bei einem Sheikh vorbeikommen, der dir Brot geben wird. Nimm das Brot ohne irgendetwas zu sagen. Gehe weiter bis du auf eine Karawane triffst. Nähere dich einem Reiter. Belehre ihn, denn er wird Reue zeigen und einer deiner Anhänger werden. Trage deinen Turban und bringe den Umhang Azizans zu Sayyid Amir Kulal.“

Danach rüttelten sie mich und die Vision endete. Ich kam wieder zu mir. Am nächsten Tag ging ich zu meinem Haus und fragte meine Familie nach dem Umhang.
Sie brachten ihn mir und sagten: „Er wartete hier schon eine lange Zeit.“
Als ich den Umhang sah, war ich sehr ergriffen und mein Herz fing an zu weinen. Ich nahm den Umhang und ging zu der Moschee von Mawlana Shamsuddin, im Dorf Ambikata, eine Vorort Bukharas. Ich verrichtete das Morgengebet mit ihm und berichtete ihm dann von dem Zeichen, welches ihn erstaunte. As-Saqqa war anwesend und leugnete, dass at-Turki Recht habe. Daraufhin erzählte ich von den Beweisen.
Er bestätigte das erste, aber verneinte das zweite. Ich bat nun die Anwesenden in der Moschee zu den Weinstöcken in der Nähe zu gehen. Dort fanden sie das begrabene Kind. Unter Tränen entschuldigte sich Saqqa für das, was er angerichtet hatte, aber es war zu spät. Mawlana Shamsuddin und die anderen in der Moschee waren verblüfft und in großer Verwunderung.

Ich bereitete mich vor am nächsten Tag in die Stadt Naskh zu wandern, auch legte ich die drei Rosinen zurecht.
Mawlana Shamsuddin versuchte mich da zu behalten: „Ich sehe deine Sehnsucht für uns und dein Verlangen nach dem Göttlichen. Deine Heilung ist in unseren Händen.“
Ich antwortete ihm: „O mein Sheikh, ich bin der Sohn eines anderen. Stillteste du mich auch von den höchsten Stufen, so kann ich nicht annehmen, ich gehöre jenem, dem ich mein Leben gab und von dem ich eingeweiht wurde.“
Er erwiderte nichts und erlaubte mir weiter zu gehen.

Ich schritt weiter voran, wie es mir gesagt worden war, bis ich den Sheikh mit dem Brot traf. Ich sagte kein Wort zu ihm und nahm das Brot von ihm. Schließlich traf ich auf die Karawane. Sie fragten mich, woher ich komme. Ambikata, sagte ich. Sie wollten wissen, wann ich denn aufgebrochen war. Ich antwortete, im Morgengrauen.
Sie waren verwundert: „Das Dorf ist Meilen entfernt, dein Weg hätte viel länger dauern müssen. Wir verließen dieses Dorf letzte Nacht und du erst im Morgengrauen... und doch hast du uns eingeholt.“
Ich wandte mich zu einem Reiter.
Er hatte Angst und fragte: „Wer bist du?“
Ich erklärte ihm, ich sei jener, dem er seine Beichte ablegen wird.“
Mir vollkommenen Respekt erweisend, stieg er von seinem Pferd, und warf all den Wein, den er mit sich trug, weg. Er begleitete mich zu meinem Sheikh, Sayyid Amir Kulal. Angekommen, überreichte ich ihm den Umhang.

Für einen Moment sagte er nichts: „Das ist der Umhangs Azizans. Letzte Nacht wurde ich informiert, dass du ihn bringen wirst und mir wurde aufgetragen ihn in zehn verschiedenen Schutzschichten aufzubewahren.“
Danach bat er mich in sein Zimmer. Mich lehrend, prägte er das stille dhikr in mein Herz. Er befahl mir dieses dhikr Tag und Nacht einzuhalten. So wie mir Sheikh Abd al-Khaliq den schwierigen Weg auftrug, so hielt ich jene höchste Form des dhikrs ein. Zusätzlich begleitete ich Gelehrte, um mir die Wissenschaft des göttlichen Gesetzes und der prophetischen Überlieferung anzueignen und um vom Charakter des Propheten und seiner Gefährten zu lernen. Ich erfüllte meine Aufgaben aus jener Vision, welches zu einem Wandel in meinem Leben beitrug.
All das, was mir Sheikh Abd al-Khaliq al-Ghujdawani riet, trug nun all seine Früchte.
Sein Geist begleitete mich zu jeder Zeit und lehrte mich.

Über das stille und laute dhikr
In dem Buch al-Bahjat as-saniyya wird erklärt, dass von der Zeit Mahmud al-Faghnawis bis zur Zeit Sayyid Amir Kulals das laute dhikr bei Zusammenkünften und das stille dhikr, wenn man für sich war, praktiziert wurde.
Als jedoch Shah Bahauddin Naqshband sein Geheimnis empfing, so hielt er nur an dem stillen dhikr fest.
Selbst in den Zusammenkünften Sayyid Amir Kulals, wo jeder laut das dhikr rezitierte, zog er sich in sein Zimmer zurück und machte das stille dhikr. Das störte die anderen Schüler.
Während sein Sheikh das laute dhikr praktizierte, rezitierte er das stille. Obwohl er doch für sein ganzes Leben im Dienste des Sheikhs stand.

Eines Tages, als Shah Bahauddin und die Schüler Sayyid Amir Kulals bei ihrer Errichtung einer neuen Moschee eine Pause machten, warnte Sayyid Amir Kulal seine Schüler: „Wer falsche Gedanken über mein Sohn Bahauddin hegt, irrt sich. Gott begnadigte ihn mit einem Geheimnis, das zuvor niemandem gewährt worden war. Selbst ich konnte sein Geheimnis nicht begreifen.“
Dem Shah Bahauddin verkündete er: „O mein Sohn, ich habe den Willen und Ratschlag Sheikh Muhammed Baba sa-Samasis erfüllt, als er mir aufgetragen hatte, dich großzuziehen, bis du mich übertriffst. Das habe ich vollendet und du hast die Kapazität noch weitere Horizonte zu erschließen. Also, mein lieber Sohn, gebe ich dir vollkommene Erlaubnis, dorthin zu gehen wohin es dir beliebt und dir Wissen anzueignen von wem auch immer du es zu finden vermagst.

Über die Nachfolgenden Sheikhs
Einmal begleitete ich Mawlana Arif ad-Din Karrani sieben Jahre lang. Dann viele weitere Jahre Mawlana Kuthum Sheikh. Eines Nachts schlief ich in der Gegenwart meines Sheikhs und ich sah Sheikh al-Hakim Attar, der ein berühmter Sheikh der Türken war, zu einem Derwisch namens Khalil Ghirani sprechen.
Als ich erwachte, erinnerte ich mich immer noch an das Bild des Derwisches.
Ich hatte eine fromme Großmutter, der ich von diesem Traum berichtete.
Sie erklärte mir: „O mein Sohn, du wirst auch vielen türkischen Sheikhs folgen.“
Also suchte ich in all meinen Reisen nach türkischen Sheikhs und vergaß dabei niemals das Bild jenes einen Derwisches.

Dann eines Tages im meinem eigenen Land, Bukhara, sah ich einen Derwisch, der derjenige aus meinem Traum sein musste. Ich fragte ihn nach seinem Namen und er antwortete mir: „Ich bin Khalil Ghirani.“ Leider musste ich ihn schon wieder verlassen, was ich sehr bedauerte. Zur Zeit des Abend Gebetes jedoch, klopfte es an meiner Tür.

„Derwisch Khalil Ghirani erwartet dich.“
Ich war überrascht. Wie konnte diese Person mich gefunden haben. Sofort nahm ich ein Geschenk und machte mich zu ihm auf den Weg.

Als ich seine Gegenwart betrat, berichtete ich ihm von dem Traum.
„Du brauchst mir nicht von dem Traum zu erzählen, ich kenne ihn bereits.“
Diese Antwort vergrößerte meine Zuneigung zu ihm noch mehr. In seiner Gefolgschaft eröffnete sich meinem Herzen weiteres Wissen des Verborgenen. Immer schaute er nach mir, lobte mich und hob mich empor. Die Leute Transoxianas wählten ihn zu ihrem König. Ich folgte ihm weiter, auch während der Zeit seines Sultanats, und meine Herzensliebe für ihn wuchs mehr und mehr und mein Herz erfuhr immer höheres Wissen. Er lehrte mich, wie man dem Sheikh dienen sollte. Sechs Jahre blieb ich bei ihm. In seiner Gegenwart und in meinen Abgeschiedenheiten stellte ich die spirituelle Verbindung über ihn her.

Am Anfang meiner großen Reise traf ich einen Gottesliebenden: „Es scheint als wärst du von uns.“
Ich erwiderte: „Hoffentlich bist du einer von uns.“
Einmal fragte er mich, wie ich mich behandle.
Ich antwortete: „Wenn ich etwas finde, so danke ich Gott und wenn nicht, so bin ich geduldig.“
Er lächelte und erwiderte: „Das ist einfach. Dein Weg sollte sein, dein Ego zu belasten und es zu testen. Ist ihm das Essen schon eine Woche lang untersagt worden, so musst du im Stande sein, es im Zaum halten zu können, ohne dass du ihm dabei die Gelegenheit gibst herumzumotzen.“
Ich war sehr zufrieden mit seiner Antwort und bat ihn um seine Unterstützung.

Er trug mir auf, den Bedürftigen zu helfen, den Schwachen zu dienen und jene zu ermuntern, deren Herzen gebrochen wurde. Dabei sollte ich niemals die Demut und die Toleranz vergessen. Ich hielt seine Befehle ein und verbrachte viele Tage meines Lebens auf diese Weise. Dann sollte ich mich auch um die Tiere kümmern, ihre Krankheiten heilen, ihre Wunden säubern und ihnen bei der Findung ihrer Nahrung behilflich sein. Schließlich hatte ich soviel Respekt vor den Tieren, dass wann immer mir eines entgegenlief, ich die Straßenseite wechselte, um ihm Platz zu machen.

Vor allem sorgte ich voll Wahrhaftigkeit und Demut für die Hunde (sie stehen für den Charakter der Aufrichtigkeit und Treue) und bat sie um Hilfe, da mir vorausgesagt wurde: „Aufgrund deines Dienstes für einen von ihnen, wirst du große Glückseligkeit erlangen.“
Ich versuchte diesen Befehl zu erfüllen, um jenes Glück zu finden. So geschah es, dass mich einmal eine unglaubliche Glückseligkeit umfasste. Vor Freude flossen meine Tränen und ein Hund setzte sich auf sein Hinterteil, seine Pfoten zum Himmel erhebend.
Aus ihm jammerte eine sehr trübselige Stimme und so erhob auch ich meine Hände zum Bittgebet, „Amin, Amin“ sagend, bis er wieder beruhigt war.
Was mir dann entschleiert wurde, war ein Zustand, in dem ich verspürte wie ich ein Teil eines jeden menschlichen Wesens und jedes Geschöpfes war.

Nach dem Tragen des Umhanges
Eines Tages war ich in meinem Garten in Qasr al-Arifan, den Umhang Azizans tragend, und um mich herum waren meine Schüler. Plötzlich ergriffen mich die himmlische Anziehung und der Segen, welche mich mit Seinen Attributen bekleideten. Von ganzem Körper erschauerte ich und war nicht mehr im Stande zu stehen. Ich blickte zur qiblah und hatte eine großartige Vision. Vollständig aufgelöst sah ich keine Existenz mehr außer die meines Herrn. Reflektiert von dem Spiegel „Muhammed Rasul Allah“, trat ich dann aus Seiner göttlichen Gegenwart als eine Erscheinung eines Sternes in dem endlosen Ozean des Lichtes hervor. Mein äußerliches Leben fand sein Ende und ich konnte nichts mehr wahrnehmen außer „la ilaha ill-Allah, Muhammedun Rasul Allah.“

Dies führte mich zur der Essenz des Namen „Allah“, welche mich daraufhin zu dem absoluten Verborgenen geleitete, was die Essenz des Namen „Huwa“ (Er) ist. Als ich in diesen Ozean eintauchte, hörte mein Herz in einem Zustand des Todes auf zu schlagen. Meine Seele verließ meinen Körper und alle um mich herum dachten, ich sei gestorben. Dann nach sechs Stunden, wurde mir befohlen in meinen Körper zurückzukehren. Ich beobachtete meine Seele, wie sie langsam in meinen Körper einzog und die Vision endete.

Deine Existenz zu verneinen und das Ego zu missachten und zu vernachlässigen ist die Grundlage dieses Ordens. In diesem Zustand, nahm ich jede Art der Existenz an, was mich zu einem Teil der ganzen Schöpfung machte und in mir die Gewissheit sicherte, dass jeder besser ist als ich. Ich sah wie alles für etwas gut ist, nur ich nicht. Eines Tages hörte Ich eine göttliche Stimme verkünden: „Bitte uns um alles, was dir gerade beliebt.“

So fragte ich voll Demut: „O Gott, schenke mir einen Tropfen aus Deinem Ozean der Barmherzigkeit und des Segens.“ Man erwiderte: „Du bittest uns bei unserer allumfassenden Großzügigkeit nur um einen Tropfen?“ Das war ein Schlag ins Gesicht, der noch nach vielen Tagen erkennbar war. Das nächste Mal sollte ich um den Ozean der Barmherzigkeit und der Kraft ihn zu ertragen bitten. Eine gigantische Vision zeigte sich mir: „Dieser Ozean der Barmherzigkeit ist für dich. Verteile ihn unter Meinen Dienern.“

Ich empfing Geheimnisse von allen Kanälen, insbesondere von Uways al-Qarani , der mich darin unterstütze vom Weltlichen abzulassen und mich ausschließlich der Spiritualität zu widmen. Dieses gelang mir, durch das Einhalten des Göttlichen Gesetzes und der Befehle des Propheten , so dass ich schließlich Wissen des Verborgenen und Geheimnisse der Einheit, von denen niemand zuvor wagte zu sprechen, verbreiten konnte.

Die Wunder seiner Aussprüche und die Unterschiede zwischen den Imamen
In einer Versammlung großer Gelehrten in Bagdad wurde Shah Naqshband über die Unterschiede bezüglich der Aussprüche der vier Kalifen des Heiligen Propheten befragt.
Er erklärte:
Einmal sagte as-Siddiq : „Ich sah nichts vor dem nicht Gott war.“
Umar al-Faruq : „Ich habe nichts vernommen hinter dem nicht Gott war.“
Uthman : „Ich habe nichts gesehen, worin nicht Gott war.“
Die Unterschiede dieser Aussprüche liegen in den unterschiedlichen Umständen, in denen sie gesagt worden sind, und nicht in den Unterschieden des Glaubens oder des Verständnisses.

Das Beschreiten des Weges
Was ist die Bedeutung der Überlieferung des Propheten „Ein Teil des Glaubens ist, Schädliches von deinem Weg zu entfernen?“
Das „Schädliche“ beschreibt das Ego welches auf dem „Weg“ zu Gott beseitigt werden muss.
Bayazid al-Bistami sagte diesbezüglich: „Verlasse dein Ego und komm zu Uns.“

Shah Naqshband wurde einmal gefragt, was es denn heiße, auf dem Weg zu reisen? „Die Einzelheiten des spirituellen Wissens“, antwortete er. Und hinsichtlich was das spirituelle Wissen umfasse, erklärte er:
Derjenige, der weiß und das annimmt, was er weiß, der wird von der Stufe der Beweise zur Stufe der Vision emporgehoben ... Wer wünscht den Weg Gottes zu beschreiten, hat sich entschlossen den Weg des Leids zu begehen. Der Prophet überlieferte diesbezüglich: „Wer mich liebt, den werde ich belasten.“

Es kam jemand zum Propheten . „O Prophet Ich liebe dich.“ Und der Prophet erwiderte: „Dann bereite dich darauf vor, arm zu werden.“ Zu einer anderen Person sagte er: „Dann mach dich gefasst auf großes Leid.“

Es wird von seinem Nachfolger, Alauddin al-Attar, berichtet, dass wann immer Shah Naqshband neue Kleider bekam, er sie jemand anderem gab, bis er sie getragen hatte und danach erst trug er selbst diese Kleider.

Er rezitierte einen Vers:
Jeder verlangt nach dem Guten
Doch hat noch keiner es gefunden
Ohne zu lieben
Den Einen, der es hat erschaffen

Er erklärte ihn wie folgt: "Jeder der Gefallen an Sich hat, muss sein Sich abweisen. Wer etwas anderes als Sich will, der will in Wirklichkeit nur Sich."

Über spirituelles Training, Stufen und Armut
Es gibt drei Wege, auf denen die Wissenden ihr Wissen erlangen: Das Nachsinnen, die Vision und die Abrechnung seiner Selbst. In dem Zustand des Nachsinnens vergisst der Suchende die Schöpfung und konzentriert sich allein auf den Schöpfer. In dem Zustand der Vision erreichen das Herz des Suchenden Inspirationen aus dem Verborgenen und es kommt zu dessen Zusammenziehung und Weitung. Bei der Zusammenziehung handelt es sich um die Schau seiner Majestät und bei der Weitung um die Vision seiner Schönheit. In dem Zustand der Abrechnung, führt sich der Suche jede Stunde vor die Augen, wie er gehandelt hat: War er sich der Gegenwart Gottes bewusst oder hat er sein Herz dem Weltlichen gewidmet?

Der Suchende auf diesem Weg muss allzeit damit beschäftigt sein, schlechte Einflüsterungen und Wünsche des Egos zurückzuweisen. Entweder verwirft er sie bevor sie ihn überhaupt erreichen oder dann wenn sie ihn erreichen, sie ihn aber noch nicht kontrollieren können. Denn versucht er sie erst dann loszuwerden, wenn sie ihn schon vollständig überkommen haben, so wird es ihm unmöglich sein, sie wieder rauszubekommen.

Shah Naqshband wurde gefragt: „Wie können die Freunde Gottes schaffen, auf die verborgenen Taten und Einflüsterungen anderer zu schauen?“
Er sagte: Durch das ihnen von Gott gewährte Licht, von dem der Prophet schon gesprochen hat: „Nehmt euch vor der Sicht des Gläubigen in Acht, denn er schaut mit dem Lichte Gottes.“

Als man Shah Naqshband darum bat, wunderliche Kräfte zu zeigen, so schmunzelte er: "Was wollt ihr denn noch Wunder sehen?! Was kann wunderlicher sein als, dass wir trotz unserer vielen Sünden immer noch auf der Erde herumlaufen können."

Über Junayds Aussage, wir mögen uns doch von den Lesern von Büchern abwenden und uns den Sufis zuwenden, erklärte er, man solle die Lesenden von Worten und Namen verlassen und endlich diejenigen aufsuchen, die sich mit der Essenz der Namen beschäftigen.
Shah Naqshband warnte: „Berichtet ein Schüler, ein Sheikh oder jemand anderes von einer Stufe, die er noch nicht erreicht hat, dann wird ihm entsagt, jemals diese Stufe zu erreichen.“
Auch sagte er: „Der Spiegel jedes Sheikhs hat zwei Richtungen. Unser Spiegel jedoch hat sechs Richtungen.“

Die Bedeutung der Heiligen Überlieferung „Ich bin mit jenem, der Meiner gedenkt“, liefert uns einen klaren Nachweis und Beweis, der jene bestätigt, die sich immer in ihren Herzen Seiner gedenken. Und der andere Ausspruch des Propheten , den Gott ihn hat sagen lassen, „Das Fasten ist für mich“ ist eine Bestätigung, dass wahres Fasten die Enthaltsamkeit von allem bedeutet, was nicht Gott ist.

Über den Grund warum man denn die Suchenden die Armen nennt, sagte er:
Weil sie arm sind, aber nicht betteln müssen. Wie der Prophet Abraham als er in das Feuer katapultiert wurde und Gabriel ihn fragte: „Brauchst du Hilfe?“ Er antwortete lediglich: „Ich brauche nicht darum zu bitten. Er kennt meinen Zustand.“

Armut ist ein Anzeichen, dass man sich von der Abhängigkeit von den Gesetzen und Bedingung der Existenz frei gemacht hat.

Einmal fragte er: „Wer sind die Armen?“ Keiner antwortete ihm. „Die Armen sind diejenigen, deren Inneres im ständigen Kampf ist, aber ihr Äußeres immer in seligem Frieden.“

Über die guten Manieren bei seinem Sheikh
Für einen Schüler ist wichtig, dass wenn er etwas von seinem Sheikh gesehen oder gehört hat, das er nicht verstehen kann, ruhig ist und es erträgt und ihm nicht misstraut. Ist er noch ein Anfänger, so mag er fragen „warum?“, ist er jedoch ein Schüler so gibt es für ihn keinen Grund nachzufragen, sondern er sollte ruhig und geduldig sein mit dem, was er noch nicht begreifen kann.
Es ist unmöglich die Liebe der Freunde Gottes zu erlangen, bis du nicht aus dir selbst hinaustrittst.

Shah Naqshband sagte: Auf unserem Weg gibt es drei Kategorien des guten Verhaltens: Gutes Verhalten vor Gott dem Allmächtigen, vor dem Propheten Muhammed und vor dem Sheikh

Gutes Verhalten vor Gott bedarf der äußeren und inneren Vollkommenheit beim Gottesdienst, das Meiden von allem Verbotenem, das Einhaltens dessen, was offenbart wurde und das Zurücklassen von allem, was nicht Gott ist.

Gutes Verhalten vor dem Propheten bedeutet sich den Zustand anzueignen, welcher wie folgt im Quran beschrieben wird: „Willst du Gott lieben, so folge mir.“ (3:31) Dem Propheten in all seinen Lebenssituationen folgend, muss er wissen, dass der Prophet die Brücke zwischen Gott und Seiner Schöpfung ist und dass alles in dem Universum seinem erhabenen Befehl unterliegt.

Gutes Verhalten vor dem Sheikh ist eine Pflicht für jeden Suchenden. Die Sheikhs sind die Gründe und Mittel den Fußspuren des Propheten zu folgen. Der Suchende muss in ihrer Gegenwart und ihrer Abwesenheit die Befehle des Sheikhs einhalten.

Einmal grüßte mich mein Schüler, aber ich erwiderte seinen Gruß nicht, obwohl es gemäß der Sunnah eine Pflicht ist einen Gruß zu erwidern. Das empörte ihn.
Nach einigen Tagen sandte ich jemanden zu ihm, um mich bei ihm zu entschuldigen: „Zu jener Zeit war meine Seele vollkommen in der göttlichen Gegenwart eingetaucht, Gottes Worten lauschend. Das zog mich vollständig in den Bann, so dass ich niemanden hätte antworten können."


 
 
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